Es ist eine Geschichte über unterschiedliche Kulturen, über Vertrauen, über Unglaubliches und letzten Endes über mehr als nur eine Freundschaft. Auf Medienreise passiert so einiges Kurioses. Und oft gilt: What happens on tour, stays on tour. Das folgende, ganz persönliche Erlebnis, möchte ich aber mit euch teilen.

Man hat nicht viel Freizeit während einer Medienreise. Schließlich sind wir Studenten nicht im Urlaub sondern auf einer Bildungsreise mit Unternehmensbesuchen, Workshops und Co. An unserem vorletzten Tag in Kapstadt, Südafrika, aber war Zeit für eine Tour nach Robben Island. Es handelt sich dabei um eine vorgelagerte Insel, auf der einst ein Gefängnis stand. Beeindruckend, spannend, ergreifend. So weit, so gut. Auf der Tour aber kamen Teile unserer Gruppe ins Gespräch mit einem anderen Tourteilnehmer: gute 1,80m groß, muskelbepackt und breit wie ein Body-Builder, weißer Trainingsanzug. Rein auf den ersten Blick nicht der größte Sympathieträger, dachte ich. Aber genau da habe ich mich getäuscht – und zwar so sehr, wie selten in meinem Leben.

 

Isabel und Mona beim spontanen Foto mit unserer neuen Bekanntschaft

Isabel und Mona beim spontanen Foto mit unserer neuen Bekanntschaft

 

Während der Rückfahrt mit dem Boot von der Insel kamen wir beide länger ins Gespräch. Er ist Unternehmer in Johannesburg und ist ursprünglich aus Uganda eingewandert. Eins ergab das andere und schon stand die Frage im Raum: Matthias, kannst du mir vielleicht helfen mit einem Visum, um Europa zu besichtigen. (Zum Hintergrund: mit einem ugandischen Pass ist der Erhalt eines Visums schwer bis unmöglich, ohne von jemandem aus dem Schengen-Raum eingeladen worden zu sein). Mein erster Gedanke, war „sicher nicht!“ Wir tauschen trotzdem Handynummern aus, schließlich kommt es selten vor, dass ich mich auf Anhieb mit jemandem so gut verstehe; man irgendwie das Gefühl hat, sich schon deutlich länger zu kennen als 45 Minuten während einer Bootsfahrt.

 

Wieder in Deutschland lässt mich die Geschichte nicht los. Ich telefoniere unzählige Male mit ihm, meinem neuen Bekannten. Er macht mir klar, er kann sich die Reise leisten aber hatte bisher nie die Möglichkeit, den afrikanischen Kontinent zu verlassen. Mir wird von mehreren Seiten abgeraten, von einigen auch zugeraten. Ich zögere, zweifle. Aber was kann mir passieren? Außerdem: der kommt sowieso nicht. Denke ich… Also schreibe ich eine Einladung an die Deutsche Botschaft. Diverse WhatsApp-Sprachnachrichten und einige Telefonate später sitze ich Mitte August morgens um 6:00 Uhr im Cabrio zum Münchner Flughafen (München ist meine Heimat). Ich möchte ihn vom Flughafen abholen – er kommt wirklich – und frage mich auf der Hinfahrt ein letztes Mal, was ich da eigentlich tue.

 

Es beginnen beeindruckende und unglaublich inspirierende drei Tage in München und Umgebung. Wir sind beide minütlich von der Kultur des anderen überrascht, belustig und beeindruckt. Er vielleicht noch ein bisschen mehr als ich, für ihn ist es schließlich das erste Mal Europa. Wir sitzen Stunden im Park, im Café, im Auto und unterhalten uns; beispielsweise über Investments und Unternehmensgründungen in Uganda und Südafrika. Wieso gibt es Menschen, mit denen man sich trotz komplett unterschiedlicher Lebenswirklichkeiten so viel zu sagen hat? Liegt es daran, dass wir beide Unternehmer sind und extrem ähnlich denken? Liegt es daran, dass mich seine Geschichte vom Bananen verkaufenden Halb- und später Vollwaisen in Uganda hin zu einem erfolgreichen Selfmade-Geschäftsmann in Johannesburg ständig aufs Neue beeindruckt? Ich weiß es nicht. Es würde hier auch den Rahmen sprengen. Vor der Allianz Arena jedenfalls ist es endgültig um seine Fassung geschehen. Es ist sein München-Highlight, das er niemals dachte, mit eigenen Augen sehen zu dürfen. Er ist mir unendlich dankbar – und ich tanke daraus Energie, stelle fest, genau die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Am vierten Tag fliegt er weiter nach Paris, Madrid und Barcelona. Wir bleiben ständig in Kontakt.

 

Jetzt, Ende September 2018, ist gerade sein zweiter Sohn geboren. Ich hatte erwähnt, wie dankbar mir mein neuer Freund ist. Ihr dürft drei Mal raten, wie der kleine neue Südafrikaner mit ugandischem Papa heißt… genau: Mathias. Mit einem T, das sei eher üblich. Wenige Dinge machen mich wirklich stolz. Aber diese Story gehört definitiv dazu. Welcome, Mathias, in der HMS-Familie!

 

Bei unserer Tour durchs Alpenvorland

Bei unserer Tour durchs Alpenvorland

 

Am Odeonsplatz in München

Am Odeonsplatz in München