Eine Woche Johannesburg liegt hinter uns. Wen wir aus der Medienbranche Joburgs alles treffen durften, haben wir für euch hier zusammengefasst:

Exclusive Books – Eine große Buchhandelskette in Südafrika

In einer Gesellschaft wie Südafrika, in der verhältnismäßig wenig gelesen wird, in dem der Retail-Gigant Amazon bislang nicht existiert und das Onlinesegment noch klein ist, ist es umso erstaunlicher, dass ein Unternehmen wie Exclusive Books mit einem so außergewöhnlichen Bookstore-Konzepte auf dem Markt aktiv ist.

 

Exclusive Books

Zu Besuch bei Exclusive Books

 

Die Strategie hinter Exclusive Books ist einfach: Bookstores zu einem Ort zum Verweilen machen. Durch ein einzigartiges und wunderschönes Design in jedem Exclusive Books Store versucht die Bookretail-Kette die Südafrikaner wieder fürs Lesen zu begeistern. Mit einer Kombination aus Buchladen, Café oder Restaurant laden viele Stores seine Kunden dazu ein, mehrerere Stunden dort zu verbringen und die Zeit vor Ort zu genießen. Dadurch wurden die lokalen Umsatzzahlen für den Buchverkauf um über 20% gesteigert.

 

Restaurant Bereich

Der Restaurantbereich in einem Store

 

Während unserer Zeit in Johannesburg durften wir den größten Flagship-Store besuchen und bekamen durch spannende Gespräche mit GM Procurement Olinka Nell und Marketing Managerin Leigh Jackman einen Eindruck von dem konzeptionell gut durchdachten Design. In Joburgs größter Filiale gibt es über 20.000 verschiedene Bücher für Groß und Klein, exklusive, hochpreisige Exemplare sowie Bestseller.

 

 

Doch warum findet sich so ein Konzept noch nicht in anderen Teilen der Welt, wo es für den Buchhandel eine clevere Strategie wäre, sich gegen die Online-Riesen Amazon & Co. strategisch auszurichten? Exclusive Books hat uns mit seinem Konzept nachhaltig beeindruckt und gezeigt wie erlebbar und schön das Erlebnis von “Bücher kaufen“ gestaltet sein kann.

 

 

Tiso Blackstar – Wie News im Digitalzeitalter in Südafrika gemacht werden

Die Tiso Blackstar Group ist eines der führenden Medien-, Unterhaltungs- und Marketingunternehmen Südafrikas mit bekannten Namen wie Sunday Times oder The Herald.

 

Tiso Blackstar Group Eingang

Tiso Blackstar Group Eingang

 

Während unseres Besuch durften wir Head of Digital Lisa McLeod kennen lernen, die zuvor in London bei der Financial Times gearbeitet hat und nun wie sie sagt, „ihre Unterlagen von vor 10 Jahren aus UK wieder auspacken und nutzen kann“, um das südafrikanische Unternehmen strategisch auszurichten. Hier wird bereits deutlich, dass der südafrikanische Markt im Digitalbereich durchaus global hinterherhinkt. Die Strategie, die das Unternehmen verfolgt ist ambitioniert, um die Nachrichten-Berichterstattung neu auszurichten. Seit Lisa McLeod mit an Bord ist, versucht sie das Unternehmen an die digitalen Bedingungen heranzuführen. Zwar herrschen in Südafrika noch nicht die dramatisch sinkenden Auflagen im Printbereich vor wie in Deutschland, doch die Nachfrage nach digitalen Inhalten steigt. Und die zahlreichen Daten-Analysen ermöglichen es, die Inhalte stärker an die Interessen der Nutzer anzupassen. So haben sie das erste digitale Daily Paper auf dem südafrikanischen Markt gelauncht, welches als Vorbild bereits europäische Daily Paper hatte. Nichtsdestotrotz scheint das besser durchdachte Modell in Südafrika bislang gut zu funktionieren. Der Umstieg von Print auf Digital wurde hier also bereits vollführt.

 

 

Hinzu kommt die Ausrichtung des Unternehmens alle einzelnen Businessinhalte-Digital-Marken unter einer Dachmarke im Netz zu konsolidieren. Die Markenkonsolidierung soll dazu führen, dass die einzelnen Marken nicht untergehen und ihre Relevanz nicht verlieren.

 

Daneben hat das Unternehmen vergangenes Jahres auch die erste Pay-Wall ganz offensiv mit dem Slogan “We’ve built a Wall and you’re going to pay for it!“ eingeführt. Zwar zog diese zum Schmunzeln animierende Werbung einige Kritik – im positiven wie im negativen – nach sich, doch die Pay-Wall scheint bislang zu funktionieren.

 

 

Die wohl interessanteste Erkenntnis aus dem Gespräch mit Lisa war ihre Einschätzung, dass sich Print und Digital keineswegs in Südafrika gegenseitig kanibalisieren würden. Nutzer und Zielgruppen wären für beide Produktsparten vorhanden. Ein Trend der für Deutschland aus Printsicht auch wünschenswert wäre.

 

Hey Jude

Hey Jude ist nicht nur ein Song der Beatles, sondern auch DIE neue App am AppStore-Himmel. Zumindest laut Group Managing Director Lloyd Ball, wie er uns bei unseren Besuch bei der PLP Group selbst sagt: “Uber nutzt man, um von einem zum anderen Ort zu kommen, AirBnB um einen Platz zum übernachten zu finden und Hey Jude für alles andere.“


Ob sich diese durchaus positiv formulierte Prognose in Zukunft wirklich so abzeichnen wird, ist für uns alle noch nicht ganz nachvollziehbar. Das ganze Konstrukt wirkt noch nicht ganz greifbar, viele Fragen sind nach unserem Besuch offen geblieben – was es umso interessanter machen wird, die Entwicklung von Hey Jude nachzuverfolgen.

 

Besuch bei Hej Jude

Besuch bei Hey Jude

 

 

Afrika Check – Fact Checking for Africa

Afrika Check ist eine non-profit und non-partisan Fact-Checking-Organisation mit dem erklärten Ziel, die Richtigkeit von Nachrichten in Afrika zu gewährleisten. Empfangen wurden wir von der ehemaligen Journalistin Nechama Brodie und Deputy Director Nono Makgato, die uns aufklärten wie Afrika Check arbeitet und welche Relevanz das Unternehmen in der Berichterstattung Südafrikas einnimmt. So konzentriert sich das Unternehmen nicht nur auf Informationen und Berichte in Afrika, sondern auch über das Land.

 

 

Die Berichtigung falscher Fakten ist von besonderem Interesse, da sie primär zur Meinungsbildung über das Land Südafrika beitragen. Informationen werden  größtenteils von Aid Organisations konsumiert. Und somit würden falsche Zahlen oder Daten das Bild über das Land verzerren.

 

Gruppenfoto mit Africa Check

Gruppenfoto mit Africa Check

 

Fotos: Prof. Dr. Armin Rott