Nico Witte ist genau wie Max Engelke gerade in Tel Aviv um dort sein Praktikum zu absolvieren. Und stellt fest, dass trotz Raketenbeschuss und täglichen Alarmen so etwas wie Alltag in der Stadt herrscht.

von Nico Witte

Berlin Flughafen – Check-in Schalter der Fluggesellschaft El Al. Ein isralischer Sicherheitsbeamter der Airline kommt auf uns zu und bittet uns an seinen Tresen. Nach der üblichen Reisepasskontrolle merke ich schnell, dass ich nicht einfach nur nach Mallorca fliege, sondern nach Israel. Bei der umfangreichen und detaillierten Befragung, die nun folgt, wundert mich nur, dass er sich nicht auch noch nach meinem Sexleben erkundigt.

Aber was tut man nicht alles, um in eine der coolsten Städte der Welt, Tel Aviv, zu reisen.

In Tel Aviv angekommen ging es mit Bahn und Bus zu unserer Wohnung, welche sich direkt im Herzen der Stadt befindet. Nachdem uns die Schlüssel von Freunden der eigentlichen Besitzer überreicht wurden, warnten diese uns noch vor einem möglichen ersten Raktenangriff der Hamas. Kaum war unser Empfangskommitee gegangen, heulten auch schon die Sirenen. Okay, wie war das nochmal? Stimmt, schnell runterrennen ins Treppenhaus und auf den BOOOM warten. Nur 30 Minuten zuvor hatten wir noch gedacht, dass uns die unverständlichen hebräischen Schriftzeichen die meisten Sorgen bereiten werden.

Die nächsten Tage hat uns die Hamas immer pünktlich morgens um 9 Uhr mit Raketen geweckt und gegen 18 Uhr daran erinnert, dass wir jetzt langsam das Abendessen vorbereiten können.

Der Konflikt dauert nun bereits 31 Tage an, in denen wir bereits einige Raketenalarme erlebt haben und uns eben auch irgendwie an diese Situation gewöhnt haben. Sie sind Teil des Alltags geworden, der hier ganz normal weiterläuft. Wirklich unsicher fühlt man sich in Tel Aviv nicht. Dennoch brachte die verheerende politische Lage die Stadt etwas zum schlafen, da tausende Reservisten im Gaza kämpften und Touristen ihren Urlaub absagen. Die Israelis lernen von der Kindheit an mit der ständigen Bedrohung zu leben und freuen sich über Europäer, die Ihr Land in dieser Situation nicht meiden.
Und so lebten wir uns im letzten Monat ganz gut ein  im etwas bizarren Wechsel von Raketenabschüssen, weißen Sandstränden, Büroarbeit, jüdischen Feiertagen, zerstörenden Nachrichten aus Gaza, Hummus, Bier, Wein, Hitze und besorgten Anrufen aus Deutschland…