Offiziell eingestellt wurde ich als Produktmanagerin. Eine dieser Jobbezeichnungen, die alles bedeuten können. Was ich letztendlich gemacht habe, reichte von Marketing und Webauftritt über App-Content und Testing bis hin zur Kundenbetreuung. Einer der wirklich großen Vorteile, wenn man in einem kleinen Unternehmen arbeitet, ist meiner Ansicht nach, dass man unglaublich viel mitmachen und überall reinschnuppern kann. Genau das habe ich getan.

 

Das Unternehmen, bei dem ich den Sommer verbracht habe, heißt endios, ein junges Startup in der Hamburger Hafencity. endios entwickelt Apps für Stadtwerke und Städte, in die zahlreiche Funktionen von Veranstaltungskalender über Fahrpläne bis zum Wetter integriert sind. Ich hatte zuvor noch wenig Berührungspunkte mit diesem Medienmarkt und da ich mich generell immer für alles Neue interessierte, wollte ich das auf jeden Fall ausprobieren. Zum Glück nahm man mich bei endios, obwohl ich kaum Ahnung vom App-Markt hatte, und so tauchte ich Anfang Juli in der Hamburger Hafencity auf. Als ich an meinem ersten Tag meinen PC anschaltete, stellte ich fest, dass mein Postfach bereits mit Mails inklusive Arbeitsaufträgen gefüllt war. Ich machte mich also kurzerhand daran, meine Mails zu beantworten, bekam nebenbei noch eine kurze Einführung in die generellen Arbeitsabläufe und wurde dem zu dem Zeitpunkt 13-köpfigen Team vorgestellt. Die meisten Namen hatte ich natürlich kurz darauf wieder vergessen, doch ich lernte sie in den folgenden Tagen ebenso wie die wichtigsten Programme und Regelungen.

Mein Chef hatte sich gemerkt, dass ich im Bachelor Germanistik studiert hatte und eine Leidenschaft für die deutsche Sprache hegte. Das führte dazu, dass sämtliche Text-Aufträge bei mir landeten. Ehe ich mich versah, betreute ich den Blog, schrieb Newsletter, verfasste Pressemeldungen und half mit Texten und Konzeptvorschlägen beim Relaunch der Webseite mit. Nebenbei war ich im Launch einer geplanten App für die Stadtwerke Bühl beteiligt (eine kleine Stadt in Baden-Würtemberg, aber davor hatte ich noch nie von Bühl gehört), half dort im Backend aus, hielt die Korrespondenz mit dem Stadtwerk und betrieb Qualitätssicherung. Meine (nicht) liebste Beschäftigung: Mit verschiedenen kleinen Verlagshäusern zu telefonieren, um Kooperationen zu erwirken. Fast jede kleine lokale Zeitung brauchte mehrere Wochen Bedenkzeit, sodass sich der ganze Prozess zu meiner Freude etwas hinzog und ich mir wie eine programmierte Erinnerungsfunktion vorkam. Dennoch: Die Arbeit bis dahin machte mir soweit Spaß. Neugierig wie ich nun mal bin, wollte ich jedoch mehr sehen. Als ich diesen Wunsch meinem Chef gegenüber äußerte, wurde ich kurzerhand in ein weiteres großes Projekt mit aufgenommen: Das Unternehmen plante ein neues Angebot, eine Couponing-App, die noch ganz am Anfang stand. Ehe ich Zeit hatte, mir irgendwelche Gedanken zu meinem neuen Projekt zu machen, wurde ich genau einen Tag später auch schon mit nach Chemnitz entführt, um an meinem allerersten Kundengespräch teilzunehmen. Ich war unglaublich nervös. Ich beschäftigte mich gerade erst einen einzigen Tag mit dem Thema, kannte die Kunden nicht, war noch nie auf einem Kundengespräch gewesen und wusste auch nicht wirklich, was mich erwartete. Ich reiste gemeinsam mit meinem Chef, da das Couponing-Team aus genau drei Personen bestand, von denen das dritte Mitglied in dieser Woche Urlaub hatte. Blieben mein Chef und meine Wenigkeit. Obwohl ich vor Nervosität fast gestorben bin, war ich zugleich wirklich froh und dankbar für die Gelegenheit. Letztendlich lief das Gespräch wirklich gut und ich hatte richtig Spaß. Im Laufe meines Praktikums durfte ich noch einige Kundengespräche mitmachen und meine Nervosität verschwand irgendwann fast vollständig. Ich konnte von Anfang an an dem neuen Produkt mitwirken, suchte nach einem Namen für unsere neue App, arbeitete an dem Konzept, entsprechendem Marketing-Material, einer Visualisierung und versuchte in den Kundengesprächen herauszukriegen, was sich die Städte und Stadtwerke wünschten und vorstellten. Natürlich war ich währenddessen noch Marketing-Beauftragte, App-Testerin, Support und arbeitete an der Webseite. Da meine Kollegin, mit der ich die Webseite aufzog, zwischenzeitlich im Urlaub war, hatte ich sogar die Chance, mich mit Layout und Bildgestaltung der Webseite zu beschäftigen. Kurzum: Ich war den Sommer über ganz gut beschäftigt und fand das toll.

Das Wichtigste hätte ich fast vergessen: Nebenher plante ich die Büro-Party für den Sommer. In freien Minuten saß ich also über Kalkulationen, recherchierte und stellte einen Plan auf. Die Party fand an meinem letzten Arbeitstag statt und war folglich auch so etwas wie meine Abschiedsfeier. Piratenparty, unter diesem Motto trudelte die ganze Truppe verkleidet und bestens gelaunt im mit Flaggen, Totenschädeln und Schatztruhen dekorierten Büro ein, um sich in mein geplantes Programm zu stürzen.

Das Ganze wurde ein voller Erfolg. Ein würdiger Abschluss.

 

Zum Schluss war ich doch recht wehmütig. Die letzten Wochen hatten viel Spaß gemacht. Ob es viel mit Medienmanagement zu tun hatte… Ich weiß es nicht. Aber die Arbeit, das Team, die Atmosphäre haben mir wirklich gut gefallen und das Jobangebot für die Zeit nach meinem Abschluss werde ich im Hinterkopf behalten. Meinen Kollegen musste ich bereits versprechen, mich noch mal blicken zu lassen und das habe ich auch vor. Ob Apps der Markt für mich sind, kann ich ehrlicherweise nicht beantworten. Ich bleibe erst einmal gespannt, was mein zweites Jahr HMS für mich bringt. In jedem Fall betrachte ich meinen Sommer als gelungen.