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Im Rahmen meines Praktikums in der Vertretung der Handelskammer Hamburg in St. Petersburg hatte ich die Gelegenheit, mich mit praktischen Problemen und konkreten Fragen deutscher und russischer Unternehmen vertraut zu machen. Somit leistete ich während des Arbeitsfrühstücks mit dem Staatsrat, Unterstützung bei den Verhandlungen in den Arbeitssprachen deutsch und russisch.

Ende August fand im Hotel “Ambassador” in St. Petersburg ein Arbeitsfrühstück mit dem Staatsrat der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg, Herr Dr. Bernd Egert zum Austausch von Informationen und Erfahrungen statt.  Der Hamburger Staatsrat Dr. Bernd Egert, nutzte seinen Besuch in St. Petersburg aus Anlass des Empfangs von Hamburg Hafen Marketing zu einem Gespräch mit Hamburgern und anderen deutschen Unternehmen. Gemeinsam mit der Leiterin der Vertretung der Handelskammer Hamburg in St. Petersburg, Dr. Gabriele Kötschau, hatte er die Unternehmen zu einem Arbeitsfrühstück in das Hotel Ambassador eingeladen und machte in dem Gespräch deutlich, dass die Freie und Hansestadt Hamburg die Handelsbeziehungen mit Russland und besonders mit St. Petersburg aufrechterhalten und stärken möchte. Neben dem Vorstand HH Hafen Marketing und der Vertretung HH Hafen Marketing in St. Petersburg, haben Vertreter von Logistikunternehmen, der Medizintechnik, der Metallbearbeitung und Elektrotechnik daran teilgenommen.

Die Unternehmen, die überwiegend seit Jahrzehnten in St. Petersburg tätig sind, machten übereinstimmend deutlich, dass wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland kein geeignetes Mittel seien, politische Entscheidungen zu beeinflussen. Vor allem Deutschland als zweitwichtigster und stets verlässlicher Handelspartner Russlands würde unter Wirtschaftssanktionen mittel- und  langfristig leiden. Staatsrat Dr. Egert betonte, St. Petersburg sei seit vielen Jahren mit Hamburg durch eine aktive Städtepartnerschaft verbunden und gehöre zu den attraktivsten Wirtschaftsstandorten Russlands. Die Ostseemetropole sei nicht nur eine bedeutende Verkehrs– und Logistikdrehscheibe Russlands, sondern biete auch vorteilhafte Rahmenbedingungen für Investitionen. Dr. Kötschau betonte das Engagement der Hamburger Handelskammer für die Ausbildung junger Menschen in Russland, die eine hervorragende Brücke zwischen unseren Ländern und Städten seien.

Beherrschendes Thema des Gesprächs waren die Wirtschaftssanktionen, die nicht nur direkte und indirekte Auswirkungen auf deutsche Unternehmen hätten, die nach Russland exportierten oder vor Ort tätig seien. Ein konkretes Beispiel für negative Auswirkungen der Wirtschaftssanktionen auf Unternehmen in Hamburg war die im Februar 2014 von der russischen Werft Pella Shipyard in St. Petersburg gekaufte insolvente Sietas-Werft in Hamburg.  Nach mehr als zweijähriger Insolvenz sollten in dieser Werft für den russischen Markt Frachtschiffserien im Containerfeedersegment entwickelt werden. Dafür hätten in den kommenden Monaten rund 400 zusätzliche Mitarbeiter und Fachkräfte eingestellt werden können.  So sollte die Produktion der Werft für den Neubau von Schiffen in Russland zügig wieder hochgefahren werden. Doch aufgrund der aktuellen Wirtschaftssanktionen ist die Ausfuhr dieser Schiffe nach Russland verboten.

Als nicht weniger schwer bezeichneten die Teilnehmer den Vertrauensverlust. So war Russland bisher immer, durch alle Krisen hindurch, ein verlässlicher Partner, wenn es um Energielieferungen ging. Es sei  verständlich, dass sich Russland jetzt umorientiere und einen engeren Schulterschluss und intensivere Wirtschaftsbeziehungen zu China und anderen asiatischen Staaten sowie nach Lateinamerika suche. Einig waren sich die Unternehmen, dass die Spirale von Sanktionen und Gegen-Sanktionen keine Seite weiterbringe. Sie baten Dr. Egert und Dr. Kötschau, sich für ein Überdenken der Sanktionen und eine Rückkehr zum Dialog einzusetzen.