Sechs Monate lang haben 13 Medienschaffende mit Fluchtgeschichte am DMF-Programm der HMS teilgenommen (Artikel dazu HIER). Wir stellen die Medienmacher vor und zeigen, wie es für sie jetzt weitergeht.

Teilnehmer_Innen des DMF-Programms in Berlin

Teilnehmer_Innen des DMF-Programms in Berlin

 

 Text von Tina Fritsche

Roshak Ahmad

Roshak Ahmad

Roshak Ahmad arbeitete bis 2014 selbständig als Journalistin vor allem in Damaskus, u.a. als Korrespondentin für die Deutsche Welle, Reuters, Sky News Arabia und Al-Jazeera. Sie nahm an zahlreichen Fortbildungen in Damaskus, Kairo und Istanbul im Bereich TV- Reportagen, Dokumentarfilm, Enthüllungsjournalismus teil und engagiert sich im Female Journalists Network in Syrien. Aufgrund persönlicher Bedrohungen floh sie aus Syrien und konnte mit einem Visum über Istanbul nach Deutschland einreisen.

 

So geht es weiter: Roshak Ahmad abosolviert ihr Praktikum beim NDR in Lokstedt und studiert seit September 2016 berufsbegleitend mit einem Stipendium der ZEIT-Stiftung ’Digital Journalism’ an der HMS. Daneben arbeitet sie freiberuflich als Videokolumnistin für dbate.de und wird in 2017 ihre Aufnahmen im Camp Yarmuk in Kooperation zu einem abendfüllenden Dokumentarfilm verarbeiten.

 

Arman Ahmadi

Arman Ahmadi

Arman Ahmadi konnte sein Informatikstudium konnte ebenso wenig abschließen wie die Dreharbeiten für seinen Dokumentarfilm über den kurdischen Schriftsteller Ali Asharfe Darvishian. Aufgrund staatlicher Verfolgung und persönlicher Bedrohung entschloss sich der iranische Kurde, das Land zu verlassen. Der Grafik-Designer und Fotograf hat Erfahrung als Kameramann und Reporter.

 

So geht es weiter: Arman Ahmadi bewarb sich nach einer DMF-Exkursion in Lokstedt beim Norddeutschen Rundfunk und absolviert seit dem 1. August 2016 eine dreijährige Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton.

 

Maher Alkadi

Maher Alkadi

Maher Alkadi hat eine klassische Musikausbildung in Damaskus absolviert und hatte bis 2013 Engagements als Violinist unter anderem im Syrischen Nationalorchester und in der Band Pulse. Als Gründer der syrischen soziokulturellen Organisation NHNA bemühte er sich um die kulturelle Versorgung der Menschen trotz Kriegsbedingungen. Seit seiner Ankunft in Deutschland engagiert sich Alkadi als ehrenamtlicher Musiklehrer für Kinder in einer Lüneburger Flüchtlingsunterkunft, als Dozent in der No Border Academy, als Violinist im Syrian Expat Philharmonic Orchestra und macht eigene SoundDesign-Projekte.

 

So geht es weiter: Maher Alkadi baut an seiner Musikkarriere, hatte Auftritte mit seiner neuen Band Caravan City und als Violinist im Syrischen Exilorchester unter anderem mit den Berliner Philharmonikern.Sein Praktikum wird er im Film-Tonstudio Chaussee Soundvision in Lüneburg absolvieren und sich dort wahrscheinlich auch zum Mediengestalter ausbilden lassen.

 

Ahmad Alrifaee

Ahmad Alrifaee

Ahmad Alrifaee brach sein Bauingenieursstudium in Homs nach fünf Semestern ab und widmete sich während der Syrischen Revolution seiner neuen Berufung als Videoreporter und Fotograf. Durch Empfehlungen und nachdem seine Arbeiten von arabischen Fernsehsendern veröffentlicht worden waren, wurde die Nachrichtenagentur Reuters auf seine Arbeiten aufmerksam und beauftragte ihn als Freien Mitarbeiter für die Bildberichterstattung. In Deutschland arbeitete Alrifaee als Praktikant in Tageszeitungen, an eigenen Kurzfilmen und an seinem Traum, Regisseur zu werden.

 

So geht es weiter: Ahmad Alrifaee absolviert sein Praktikum beim NDR. Ob er sich danach als Volontär beim NDR bewirbt oder sich um einen Platz in der Fotojournalismusklasse der Hochschule Hannover bemüht, hat er noch nicht entschieden. Seine Leiden-schaft gilt dem Film und der Fotoreportage. Wenn er könnte, würde er nach Syrien zurückgehen und sich mit seinem neuen Wissen für eine freie Presse in seinem Heimatland engagieren.

 

Erik Arellana Bautista

Erik Arellana Bautista

Erik Arellana Bautista arbeitet gegen das Vergessen der im bewaffneten kolumbianischen Konflikt Verschleppten und Verschwundenen, seitdem seine Mutter 1987 durch kolumbianische Paramilitärs entführt und ermordet wurde, Aufgrund seines Engagements wurde der kolumbianische Menschenrechtsaktivist, Dokumentarfilmer, Journalist und Autor immer wieder verfolgt und bedroht. Von 1997 an lebte er acht Jahre in Deutschland und studierte Audiovisuelle Kommunikation an den Kunsthochschulen in Kassel und Weimar, begann literarisch zu schreiben und Dokumentarfilme zu drehen. 2006 kehrte er nach Kolumbien zurück, um als Journalist und Universitätsdozent in Bogotá zu arbeiten. Weil Bautista Menschenrechtsverletzungen dokumentierte, geriet die Arbeit seiner Stiftung in Kolumbien unter massiven Druck. Seit Juni 2014 ist er Stipendiat im Writers-in-Exile-Programm des PEN.

 

So geht es weiter: Erik Arellana Bautista wird sein Praktikum in der Bildredaktion von GEO absolvieren. Daneben arbeitet er weiter als Schriftsteller mit zahlreichen Vorträgen und Lesungen und baut als Medien- und Öffentlichkeitsverantwortlicher den Internationalen Verein für Menschenrechte Nydia-Erika-Bautista e.V. aus.

 

Adam Frei

Adam Frei

Adam Frei hatte Kurzgeschichten geschrieben, die von der iranischen Zensur verboten worden waren, hatte die NGO ‚Khaneye-Khuban’ für Straßenkinder mitbegründet und war Reporter für drei iranische Zeitungen. Während seines Militärdienstes wurde er inhaftiert. 2005 gelang ihm die Flucht nach Deutschland. Hier studierte er Medientechnik an der HAW in Hamburg und widmete sich seinem eigentlichen Ziel: im Filmgeschäft anzukommen. Seit 2012 ist er verantwortlicher Mediengestalter für den Verein zur Förderung von Demokratie und Freien Wahlen, Dana.

 

So geht es weiter: Adam Frei arbeitet seit Oktober 2016 als Dolmetscher beim Bundesamt Migration und Flucht. Außerdem peilt er weiterhin einen Job als Medientechniker beim Studio Hamburg an und will alternativ dazu seinen Weg als Freiberufler in der Postproduktion (TV und Film) finden.

 

Rosa Yassin Hassan

Rosa Yassin Hassan

Rosa Yassin Hasan schreibt seit den 1990er Jahren Kurzgeschichten und Romane und gilt als eine der wichtigsten Autorinnen und Menschenrechtsaktivistinnen Syriens. Die Frauenrechtlerin gründete die syrische Vereinigung Frauen für Demokratie und informierte während des Bürgerkrieges die interessierte Weltöffentlichkeit in ihrem vielbeachteten Blog „Tagebuch der syrischen Revolution“ über Gräueltaten, aber auch über den Alltag der Menschen im zerstörten Damaskus. Als schonungslose Chronistin menschenverachtender Verbrechen geriet sie zunehmend ins Visier des Assad- Regimes, aber auch der bewaffneten Opposition. Von ihren sieben auf arabisch erschienen Romanen liegen zwei Werke in deutscher Sprache vor (‚Ebenholz’ und ‚Wächter der Lüfte’). Mithilfe der Heinrich-Böll-Stiftung gelang der Autorin im Herbst 2012 zusammen mit ihrem damals zehnjährigen Sohn die Flucht nach Deutschland. 2013/2014 war sie Gast der Hamburger Stiftung für Politisch Verfolgte.

 

So geht es weiter: Rosa Yassin Hasan wird im Rahmen ihres Praktikums die Literaturagentur Keil & Keil unterstützen und weiterhin als Romanautorin, als Dozentin für arabische Literatur an der Universität Hamburg sowie als Journalistin für arabischsprachige Medien arbeiten. Ihr aktuellster Roman ‚Die vom Zauber Berührten’ wird derzeit vom Arabischen ins Deutsche übersetzt. Die HMS unterstützt sie gemeinsam mit Keil & Keil bei der Suche nach einem geeigneten Verlag.

 

Jalal Hosseini

Jalal Hosseini

Jalal Hosseini arbeitete sieben Jahre lang als Grafikdesigner im PR- Bereich im Iran, bevor er 2012 das Land verließ. In Deutschland fand er über Praktika im Medienbereich Zugang zu seinem Ursprungsberuf und engagierte sich in einem Online-Projekt beim Magazin brandeins. Als Schauspieler war er in Produktionen des fundus-theaters zu sehen.

 

So geht es weiter: Jalal Hosseini wird sein Praktikum bei Spiegel/bento absolvieren. Er hat sich außerdem die Zugangsberechtigung und die Zusage für ein Studium der Sozialökonomie erarbeitet und wird im April 2017 anfangen zu studieren. Als Schauspieler arbeitet er mit unserer Dozentin Sophie Molitoris (Castingagentur) an seiner Set-Card bzw. an ersten TV- Auftritten. Seit Oktober arbeitet Jalal Hosseini als Fotograf und Grafik-Designer für die Hamburger Modedesignerin Sibilla Pavenstedt.

 

Aamer Najjar

Aamer Najjar

Aamer Najjar arbeitete von 2002 bis zu seiner Flucht aus Syrien im Bereich Medien/Film als Regieassistent sowie als Regisseur (2. Location), unter anderem für zahlreiche TV- Serien sowie in Spielfilmen in Syrien, im Libanon, Ägypten und Algerien.

 

So geht es weiter: Aamer Najjar wird sein Praktikum bei Vincent TV, der Produktionsfirma von Sandra Maischberger absolvieren und dort über die vereinbarten drei Monate Praktikumszeit hinaus die Arbeit an sechs TV-Dokumentationen über Menschenrechte im arabischen Raum als Rechercheur und Dolmetscher unterstützen.

 

Jean Ngendahimana

Jean Ngendahimana

Jean Ngendahimana arbeitete nach seinem BWL-Studium als Radiomoderator und Reporter mit dem Schwerpunkt Wirtschaft und Finanzen in verschiedenen ruandischen Medienhäusern. Durch sein Engagement für Menschenrechte in Ruanda geriet er in Gefahr und musste das Land verlassen. In Deutschland fand er Unterstützung durch Reporter ohne Grenzen.

 

So geht es weiter: Jean Ngendahimana studiert mit ein Stipendium an der Universität Oldenburg ‚European Migration & Intercultural Studies’ (Master). Daneben beschäftigt er sich in Artikeln und Vorträgen mit dem Thema ‚Migrantischer Unternehmensgeist’.

 

Zahra Sadat

Zahra Sadat

Zahra Sadat lebt seit 2014 in Deutschland. Die Journalistin und Frauenrechtsaktivistin war Website- Managerin der Afghan Human Rights News, Chefredakteurin bei National Front of Afghanistan Weekly News und arbeitete von 2011 bis 2015 frei u.a. für Asian Geography, Jadid Online und das Sadaf Magazin. Bis zu ihrer Flucht nach Deutschland war Zahra Sadat Vorsitzende der OSO (Open Source Organisation) und damit Managerin/Ausrichterin der Human Rights Weeks 2010 bis 2012 und des Afghanistan Women Film Festivals.

 

So geht es weiter: Zahra Sadat wird ihr Praktikum bei Spiegel Online absolvieren. Da sie in den vergangenen Monaten im Selbststudium alle notwendigen Sprachtests bestanden und sich die Studienberechtigung erarbeitet hat, wird sie ab April 2017 Sozialökonomie studieren und daneben als freie Journalistin arbeiten.

 

Hamid Saljooghi

Hamid Saljooghi

Hamid Saljooghi hat in Herat Journalismus (B.A.) und im indischen Bangalore Mass Communication (Master) studiert. Er leitete die Nachrichtenabteilung bei Herat National TV, war Herausgeber der Zeitung ‚Etifaq Islam’, arbeitete als Dozent und Medientrainer am Journalismus-Zentrum und als Medienkoordinator im Bürgermeisterbüro in Herat. Von 2012 bis zu seiner Flucht 2014 leitete er die juristische und politikwissenschaftliche Fakultät der Jami Private University in Kabul, war Mitglied der Hochschulleitung und lehrte Medienrecht. Auf seiner Flucht durchquerte Hamid Saljooghi mehrere Länder zu Fuß. In Deutschland engagierte er sich ehrenamtlich als Redakteur des Printmagazins ‚Asadi’ und absolvierte Praktika in Tageszeitungsredaktionen. 2015 wurde der Medienmacher – gemeinsam mit anderen – für das Theaterprojekt ‚Szol Ha’ (Frieden) mit dem Deutschen Bürgerpreis für Schleswig-Holstein ausgezeichnet.

 

Und so geht’s weiter: Hamid Saljooghi wird sein dreimonatiges Praktikum beim NDR absolvieren. Er schreibt für afghanischsprachige Medien und möchte sich weiter für den deutschen Markt professionalisieren.

 

Mohammad Nazeri

Mohammad Nazeri

Mohammad Hassan Nazeri produzierte Dokumentarfilme, unter anderem über die Situation von Frauen in Afghanistan, leitete die Konferenz zum Wiederaufbau der afghanischen Kino- und Filmlandschaft, saß in zahlreichen Festivaljurys (unter anderem beim Internationalen Filmfestival „Banff“ in Kanada), gründete das „House of Afghan Film and Theater“ (HAFT) und arbeitete als Dozent an der Universität in Kabul. 2013 musste Nazeri sein Land verlassen. 2015 strahlte das persische BBC seinen Film ‚Lala Hindu’ aus. In Deutschland hält der Kulturschaffende Vorträge u.a. über die Situation in Afghanistan, produziert Kurzfilme und engagiert sich im Chor beim Nationaltheater Mannheim sowie im Ensemble ‚Theater der Welt’.

 

So geht es weiter: Moh. Hassan Nazeri wird sein dreimonatiges Praktikum beim NDR in Hamburg absolvieren. Eventuell kehrt er anschließend zurück nach Süddeutschland, um dort eine Beschäftigung im Medienbereich zu finden. Sein Herz schlägt nach wie vor für den Dokumentarfilm.

 

Wir wünschen allen unseren Teilnehmer_Innen viel Erfolg für die Zukunft und alles, alles Gute!

 

Wer mehr zu dem Programm wissen möchte, kann sich jederzeit an unsere DMF-Koordinatorin Tina Fritsche wenden: t.fritsche[at]hamburgmediaschool.com.

Das DMF-Program  geht  aktuell mit einem neuen Jahrgang in die zweite Runde und ist weiterhin auf Spenden angewiesen. 

Als gemeinnützige GmbH kann die HMS steuerlich absetzbare Spendenquittungen ausstellen.

Sonderkonto “Digitale Medien für Flüchtlinge”
Hamburg Media School GmbH
Commerzbank
IBAN: DE80 2008 0000 0937 0900 03
BIC: DRESDEFF200