Blick aus dem 19. Stock des Springer-Hochhaus in Richtung Sonycenter. Highflyer-Ballon der Welt-Gruppe, Dach des Sony-Centers und Gegend des Checkpoin Charly sind zu sehen.

Blick vom Springer-Hochhaus

Zurück von der Asien-Medienreise steht uns eine zweite kleinere Medienreise bevor: Axel Springer lädt uns nach Berlin ein. Aber nicht nur wir „alten Hasen“ des Jahrgangs MM15 dürfen uns über diesen Spezialtag freuen, sondern auch der jüngere Nachwuchsjahrgang ist mit von der Partie. Doch so toll sich der Tag auf dem Papier liest, bangen wir noch bis zum Vorabend, ob die gebuchten Gruppentickets auch wirklich genutzt werden können, denn die GdL streikt. Aber glücklicherweise wird die ICE-Strecke Hamburg-Berlin weiterhin bedient und wir können uns auf den langen Tag bei Springer freuen. An dieser Stelle möchte ich übrigens meiner Kommilitonin Katharina Buck danken, die in Absprache mit Jan Bechler den reibungslosen Ablauf des Tages garantiert.

Erste Station: Das Springer Penthouse in der Markgrafenstraße. Wir werden empfangen von Ulrich Schmitz, seines Zeichens CTO Elektronische Medien bei der Axel Springer SE. Nach kurzen Worten des Empfangs gehen wir 450 Meter weiter zum Hauptgebäude der Axel Springer SE in die gleichnamige Axel-Springer-Straße. Wir an die 35 Personen müssen noch durch die Sicherheitsschleuse, dann sind wir Punkt 11:00 Uhr in den Redaktionsräumen der BILD. Statt nur einen langweiligen Rundgang zu sehen, bekommen wir dir originale Redaktionssitzung samt Blattkritik geboten. Kai Diekmann (Chefredakteur der BILD) hat auf uns gewartet und startet die Schaltkonferenz mit den BILD-Lokalredaktionen. GDL-Chef Wesselsky im Flugzeug, ein betrügerischer DSDS-Gewinner oder „Hitlers Pferde“ – wer schafft es auf Seite 1? Spannend ist, wie routiniert und konstruktiv-kritisch die Konferenz abläuft. So laufen 7-minütige Counter ab, die die Sprechslots eindeutig terminieren. Am Ende wünscht Diekmann allen einen „schönen Arbeitstag“ und unterhält sich kurz mit uns.

Christian Stenzel, bisheriger Ressortleiter BILD Nachrichten und seit kurzem Büroleiter Diekmanns, beantwortet uns alle Fragen zur BILD. Ein kleines Detail, das vielleicht nicht jeder weiß: die Schichtarbeit bei der BILD funktioniert so, dass parallel in Los Angeles eine weitere BILD-Redaktion sitzt, die auch Deutschland betreffende Nachrichten Meldungen verfasst – somit ist der 24-Stunden-Betrieb gewährleistet, ohne dass in Berlin unnötige Nachtschichten geschoben werden müssen.

Zurück in der Margrafenstraße im Springer Penthouse erklärt uns Christina Müller, Managerin fürs Hochschulmarketing, die Einstiegsmöglichkeiten bei Springer und hebt besonders das 18-monatige Trainee-Programm und die zahlreichen Networking-Termine hervor. So hätten viele Mitarbeiter bereits auf zwei Monate im Voraus ihre Mittagessen verplant, da ständig Treffen stattfänden.

Trainees bei Springer wird empfohlen, innerhalb der 18 Monate mindestens die Bereiche Controlling, Vermarktung, Redaktion und International zu durchlaufen. 90 Prozent der Trainees werden schlussendlich übernommen. Die oben genannten Networking-Treffen umfassen neben einem „Speed Networking“ beim Early-Bird-Café auch den Zukunfts-Talk bei der mittäglichen „Pizza Connection“. Dort sprach vor Kurzem zum Thema „Liebe der Zukunft“ Sexpertin Paula Lambert, ein weiterer Termin hatte das „Internet of things“ als Fokus.

Zukunftsthemen werden jedoch nicht nur im Rahmen von Talks abgehandelt, sondern auch selbst gestaltet. Springer zeigt an diesem Tag nämlich auch die Kompetenz für Neues. Jörg Rheinboldt, CEO beim Axel Springer Plug and Play Accelerator, stellt uns seine Unternehmergeschichte vor: als Serial Entrepreneur war er am Aufbau von Betterplace, Alando und Ebay DACH/Taiwan beteiligt und ist nun zum ersten Mal bei einer Firma tätig, die er nicht gegründet hat. Seinen Erfolg verdankt er auch der Hartnäckigkeit. So ist es ihm nach mehreren Anläufen vor etwa 20 Jahren gelungen, Bill Gates als Speaker für eine Konferenz in Deutschland zu gewinnen.

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Jan Bechler und Jörg Rheinboldt im Axel Springer Plug And Play Accelerator

Nach seiner persönlichen Geschichte leitet Rheinboldt über zu Alexander Steinhart, der uns sein Startup OFFTIME vorstellt. OFFTIME war in einem der vorherigen Batches Bestandteil des Accelerators. Die App ist derzeit nur für Android-Gerät verfügbar und erlaubt es, eine digitale Auszeit zu nutzen. So ist es eine Art persönliche Firewall, die für einen definierten Zeitraum keine Anrufe und Messages reinlässt und eine Abwesenheitsnachricht versendet. Gleichzeitig kann man bestimmten Leuten aber das Durchkommen gewähren. Das Ziel ist es, höhere Produktivität zu erreichen indem man sich täglich Freiräume schafft. Es geht also darum, dem viel beschworenen Information Overload zu entfliehen. So haben sich die Nutzer bisher mehr als 100 Jahre OFFTIME gegännt, die durchschnittliche Länge einer OFFTIME beträgt zwei Stunden. Ziel ist es, zu einem plattformübergreifenden Produktivitätswerkeug zu werden. In Hinblick auf die bestehende Master Thesis könnte das auch für mich eine spannende App sein.

Nach diesem Einblick in ein Muster-Startup gehen wir einige Etagen tiefer in den Coworking Space des Accelerators. Dort erfahren wir, dass dieser auf mediennahre Startups in den Kategorien Marketing, Classified Ads und Paid Content spezialisiert ist. Wir erfahren aber auch, dass der TEDx-Moderationstrainer Ole Tillmann für die Pitch-Trainings zuständig ist und dass man Dienstags um 17 Uhr gern zu den öffentlichen Test-Pitchings vorbeikommen kann. Für Springer bedeutet der Accelator vor allem, dass man so mit Innovatoren zusammenkommt. Für mich neu (obwohl ich schon beim Media Hack Day im vergangenen November dabei war): die Accelerator-Arbeitsplätze haben jeweils einen Platz für einen „Artist in Residence“. In der noch jungen Geschichte des ASPNP Accelerators hat sich so eine Sammlung kontemporärer Kunst entwickelt – eine Sache, die man so von einem Medien-Accelerator nicht erwartet.

In der Zwischenzeit ist auch Jan Bechler, MBA-Absolvent des Jahrgangs 2006, eingetroffen. Er ist beratend für Springers Digitalaktivitäten tätig und hat den Aufbau des Accelerators begleitet. Neben seinem Wein-Startup Navinum ist er seit Neuestem Chief Digital Officer bei der Agenturgruppe thjnk. Er zeigt uns den Accelerator und nimmt uns anschließend wieder mit ins Springer-Hauptgebäude. Dort fahren mit dem Lift in die 19. Etage zum Journalistenclub. Leider dürfen wir aus Versicherungsgründen nicht mit dem legendären Paternoster fahren, aber ihn wenigstens beobachten.

Journalistenclub Axel Springer - Holzvertäfelung der TIME London, Wohnung Axel Springers, Studenten der Hamburg Media School

Journalistenclub im 19. Stock

Abendessen im Restaurant im 19. Stock des Axel-Springer-Gebäudes mit Jens Müffelmann, Jan Bechler, Prof. Armin Rott und MBA-Studenten der Hamburg Media School

Dinner mit Jens Müffelmann, Jan Bechler, Prof. Armin Rott und MBA-Studenten der HMS

Im Journalistenclub angekommen genießen wir neben den Blick über Berlin auch die historische Vertäfelung, die früher die Räumlichkeiten der Times in London verzierte sowie Möbel aus dem 18. Jahrhundert. Axel Springer hat früher hier oben gewohnt – ein spannendes Gefühl, an diesem kultigen Ort zu sein, wo sonst US-Präsidenten und Schauspieler empfangen werden. Und blickt man zurück auf den Besuch beim Acclerator am zeitigeren Nachmittag, zeigt sich auch der Wandel im Unternehmen. Hier: klassisch, historisch, auf den Journalismus bedacht – im Accelerator viel bunter und mit kreativem Chaos.

Nach kurzem Verweilen im Journalistenclub werden wir im benachbarten Restaurant von Jens Müffelmann, COO Vermarktungs- und Rubrikenangebote, zum Abendessen empfangen. Er erklärt uns seinen Karriereweg und gibt uns auf den Weg, dass wir vor allem im jungen Alter was wagen sollen. Scheitern gehöre dazu und im jungen Alter hat man noch Zeit, mutig zu sein. Mit diesen Worten im Ohr genießen wir den Blick auf dieses historische Eckchen in der Mitte Berlins, direkt an der ehemaligen Mauer und mit Blick auf Sony-Center und Reichstagsgebäude am Horizont.Was für ein Blick! Ich habe die Mauer zwar nur neun Tage miterlebt, trotzdem ist es ein ganz besonderer Ort für mich. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit machen wir uns auf den Weg zurück zum Hauptbahnhof.

21:47 – ich sitze im Zug irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern und blicke auf einen Tag zurück bei einem Unternehmen, das den Wandel vom Verlag zum Digitalhaus wagt – und vielleicht auch gewinnt. Wandlungsfähigkeit und Offenheit für Neues sollten auch wir für uns als Stärke entwickeln im Blick auf unseren Berufseinstieg. Vielen Dank für die Einladung nach Berlin!