BlendleKarriere

Blendle Mitarbeiter im HQ in Utrecht

Blendle ist seit etwas mehr als einem Monat auch in Deutschland erhältlich. Der Gründer Marten Blankensteijn erklärt sein Produkt als „ITunes für den Journalismus“. Es soll nicht nur Zeitungen und Zeitschriften wieder für die junge Zielgruppe attraktiv machen, sondern auch die Herausforderung des Paid Content lösen… Beim diesjährigen Scoopcamp wurde das Unternehmen mit dem Scoop-Award für besondere Leistungen an der Schnittstelle zwischen journalistischen Inhalten und Technologie ausgezeichnet.

Was ist dran am Senkrechtstarter aus den Niederlanden?

 

Das Geschäftsmodell

Die Idee ist einfach wie naheliegend: Anstatt ein ganzes Heft zu kaufen (Sammlung von Inhalten), können einzelne Artikel für Centpreise erworben werden. Keine Abonnements, keine Anzeigen, sondern Pay per Use/Read. So können die eigenen Neigungen treffsicher bedient werden und die für den Leser spannendsten Artikel einer Ausgabe gezielt gekauft werden. Wenn die Qualität nicht stimmt, kann der Leser sein Geld sogar zurückverlangen. Sollte mit dem Kauf verschiedener Artikel der Copypreis der gesamten Ausgabe zusammenkommen, gibt es diese gratis dazu.

Die Idee fußt auf eigenem Erleben, so der ehemalige Journalist Blankensteijn: Freunde hätten seine verfassten Artikel nie gelesen, da sie sich nicht extra dafür das komplette Magazin kaufen wollten. Böse sein konnte er ihnen aber nicht, denn auch er selbst stand oft am Kiosk und fand diesen oder jenen Artikel interessant, würde aber nie eine Tageszeitung, ein Sportmagazin, ein Psychologieheft und das internationale Wochenmagazin kaufen.

 

Persönliches Dashboard

Persönliches Dashboard

 

Nutzer und Einnahmen

Insofern ist die Idee Blendle eine konsequente Weiterentwicklung eines Bedürfnisses. Gelauncht wurde das niederländische Startup im April 2014. In nur eineinhalb Jahren konnten die Gründer Marten Blankensteijn und Alexander Klöpping die Reichweite auf 400.000 registrierte Niederländer bringen.  Im Verhältnis zu den Einwohnern der Niederlande entspricht dies einer Reichweite von ca. 2 Mio. in Deutschland. Spannend hierbei ist die Demografie der Nutzer. Bei Blendle ist der größte Anteil von Nutzern unter 35 Jahren. Ob das nur die Early Adopter sind, oder eine stabile Fangemeinde, wird sich erst noch zeigen.

Im Durchschnitt kostet ein Artikel auf Blendle 30 Cent. Das Startup erhält einen Share von 30%, der rest geht an den Verlag. Angeblich verdoppeln sich die Einnahmen im Halbjahrestakt und decken schon die Kosten. Genaue Zahlen veröffentlicht das Startup jedoch noch nicht. 2014 investierten die New York Times, sowie Axel Springer in das Unternehmen, was sicherlich kein schlechtes Zeichen ist.

Das erste Feedback vom Start in Deutschland ist positiv. Die Usability und die Vielfalt an Themen überzeugt. Es ist Blendle gelungen, viele Verlage mit noch traditionellem Geschäftsmodell (Print ist noch immer Cashcow) für ihre Idee zu überzeugen. Mit dabei sind unter anderem Gruner und Jahr, Axel Springer, Süddeutsche, Spiegel und ZEIT. Daran ist zu erkennen, dass jedes Medienhaus inzwischen bereit ist, mit digitalen Geschäftsmodellen zu experimentieren und sich auf Startups einzulassen. Vielleicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um eine innovative Idee durchsetzen.

 

Blendle Titelpräse

Übersicht eines einzelnen Titels

Erste Zweifel?

Ob die Idee der Artikel-Stückelung mehr Freunde gewinnt als eine Flatrate (Bsp. Readly), wird sich zeigen. Auch Apple hat erkannt, dass iTunes vielleicht nicht die Zukunft der Musik ist, sondern pushed mit Apple Music nun ein Flatratemodell. Ein Zeichen? Es stellt sich ebenso die Frage, ob die Monetarisierungsstrategie die Verlage nachhaltig überzeugt. Und ob das Gesamtkonzept einer Publikation durch die Zerstückelung ihren individuellen Charakter behalten kann. Blankensteijn meint, dass sein Geschäftsmodell die Qualität der Artikel nachhaltig verbessere, da der Inhalt das alleinige Verkaufsargument ist. Ob diese Einzelkämpfer Mentalität den Standard insgesamt hebt, oder nur die Überschriften reißerischer macht, wird sich zeigen.

 

Definitiv ist Blendle ein Stück des Puzzles, das mit zum digitalen Geschäftsmodell des Journalismus der Zukunft führen wird. Neben Paywall, Flat, eKiosk, Display und anderen Modellen. Wir können gespannt sein, was sich am Ende durchsetzt und welche Entwicklungen es für den digitalen Journalismus geben wird.

 

Ein guter Grund, sich jetzt selbst von Blendle zu überzeugen und das iTunes Leseerlebnis für sich zu testen. Superleuk!