Wir MM15ner sehen uns kürzlich des erste Mal alle in Sommerklamotten am Haupteingang der Hamburger dpa-Dependance. Kein Wunder, schließlich haben wir um die 27 Grad. Gut gelaunt stehen wir in der Sonne bis es schließlich ins Gebäude geht. Im Großraumbüro werden wir auch schon vom Geschäftsführer von dpa-infocom,Meinolf Ellers, begrüßt. Die erste Frage, die ich mir still stelle: „Wie hält er das bei diesen Temperaturen bloß im Anzug aus?“ Doch schnell akklimatisieren uns, wir nehmen auf der großen Sitzbank Platz. Große Fenster, die für einen hellen Raum sorgen, und Pflanzen geben dem Großraumbüro ein angenehmes Flair.

Einführung in die dpa

Einführung in die dpa

Nun gibt uns Meinolf Ellers eine kurze Einführung in Sachen dpa.

Basic Facts:

  • Gründung: 18. August 1949
  • Die dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH ist die größte Nachrichtenagentur in Deutschland
  • Sitz in Hamburg, die Zentralredaktion findet sich in Berlin (seit 2010)
  • Die dpa hat 190 Gesellschafter (Zeitunsgverlage)
  • 1200 Mitarbeiter weltweit arbeiten für dpa
  • Sie ist ein Vollversorger, d.h., sie bedient Printmedien, Rundfunksender oder Online- und Mobilfunkanbieter in mehr als 100 Ländern. Auch Parlamente, Verbände und Unternehmen gehören zu ihren Kunden.

 

Als Meinolf Ellers auf die Frage, wie viele Kollegen in Berlin sitzen, antwortet: „Knapp 400 Kollegen auf 2500 Quadratmetern“, geht ein Raunen durch die Klasse. Aber: Kommunikation ist wichtig – und noch wichtiger ist: Vier Augen sehen besser als zwei, das heißt: Validierung durch Gegenlesen. Denn, wie Meinolf Ellers betont, geht es bei Nachrichten um den Grundsatz: „Be first but be right“. Es geht der dpa vor allem darum, im Spannungsfeld der Nachrichten schnell zu sein und gleichwohl Glaubwürdigkeit zu wahren. Dennoch, dass die klassischen Medien wie Fernsehen und Print mit der Digitalisierung zu kämpfen haben, spürt auch die dpa.

Wir hören gespannt zu

Wir hören gespannt zu

 

Die dpa, als Nachrichtenagentur, ist an den Erfolg des publizistischen Produkts gekoppelt. Konkret heißt das: Es geht vor allem um kostengünstige, skalierende Berichterstattung. Dennoch, „die Gesamtwertschöpfung sinkt“, stellt Meinolf Ellers nüchtern fest. „Wir kommen aus der Fernschreiberzeit“, sagt Herr Ellers. „Früher  wurden Nachrichten über dieses Medium geschickt, dann via Satelliten, nun durchs  Internet“. Die Gefahr beim Internet besteht jedoch darin, dass jedermann Content und vermeidliche „News“ verbreiten kann. Ob das stimmt, kann man dann im ersten Moment im Internet nicht erkennen. „Deshalb“, fährt Herr Ellers fort „ist die sicherste Quelle nach wie vor das persönliche Gespräch und/oder das Telefonat, wenn wir den Wahrheitgehalt gegenchecken“.

 

Ein weiteres Problem, das die Digitalisierung (und besonders Google) mit sich bringt, ist das Problem des „Dublicate  Content“. „Früher“, sagt Meinolf Ellers „konnte man ein Stück in verschiedenen Tageszeitungen veröffentlichen und jeder Leser hatte das Gefühl, einzigartigen Content geliefert zu bekommen. In den Zeiten von Google ist das nicht mehr so. Google scannt alle Texte und zeigt alle Publizierungen zu dem Text an. Sprich, wenn ein und derselbe Text in der FAZ, in der Zeit und in einer regionalen Tageszeitung erscheint, wird dieser von Google angezeigt. Der Text ist „Duplicate Content“ und verliert an Wert für die wichtigen Kunden der dpa, die Tageszeitungen.“

 

Geschäftsführer Meinolf Ellers

Geschäftsführer Meinolf Ellers

„Wer kennt Prof. Clayton Christensen?“, fragt Herr Ellers in die Runde. Er ist der Erfinder der „Disruptive Innovation Theorie“, erklärt er.  Kurzer Exkurs in die „Disruptive Theory“: Es geht um Innovationsmanagement. „Disruption“ ist das Gegenstück zu „Innovation“ und meint, dass man in einer Marktwirtschaft immer beim „schwächsten Produkt“ anfangen soll innovativ zu sein, um die Gegner so Stück für Stück aus dem Markt zu drängen. Eine gängige Definition ist: “Disruptive Innovation bezeichnet die Etablierung neuartiger, bisher unbekannter Produkte oder Dienstleistungen, die als kleine Nischeninnovation beginnt und eine Marktrevolution auslösen kann. Da disruptive Innvationen über ein starkes Entwicklungspotential verfügen, können sie einen Prozess in Gang setzen, der alles Bestehende überholt, Marktführer verdrängt und Branchenregeln neu definiert. Disruptive Innovation wird auch alsDurchbruchinnovation oder radikal Innovation bezeichnet.”

Meinolf Ellers schließt wählt ein anschauliches Beispiel: „Wenn du ein deutscher Verleger bist, dann läuft gerade ein T-Rex durch deinen Vorgarten.“ Will sagen: Die Medienlandschaft und das Mediennutzungsverhalten ändern sich. Google und Facebook haben ein ganz anderes Mind-Set, ganz andere Kernkompetenzen als ein Verlagshaus wie der Spiegel oder die Sendergruppe RTL. Das heißt nicht, dass die klassischen Medien einpacken können, im Gegenteil: Sie sollten zusehen, dass die Disruptive Innovation sie nicht einholt und ihre „bottom-line“ (also die „schwächsten“ Produkte) angreift. Social Media wächst, Individualisierung und Personalisierung werden immer wichtiger. Die einst so mächtigen „Dinosaurier“ der Medienlandschaft müssen sich bewegen.

 

Und ein Gruppenfoto zum Abschied

Und ein Gruppenfoto zum Abschied

Alles in allem vergingen die Stunden mit bei dpa-infocom wie im Fluge. Wir sagen vielen Dank an Meinolf Ellers!

Und an alle zukünftigen Unternehmen da draußen abschließend ein verdammt guter Rat: „Digital Innovation is not about ideas, it´s about execution.“