Bei ihrem ersten Seminar als Dozentin an der HMS wagte Sabrina Maaß den Sprung ins kalte Wasser. In einem zweitägigen Blockseminar versuchte sie Teilnehmern des DMF-Projektes das politische System Deutschlands zu erklären. Die neuen Blickwinkel und Fragen ihrer Studenten mit Fluchtgeschichte brachten sie manchmal ganz schön ins Schwitzen.

Seit November 2015 verstärke ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin das Team Medienmanagement.

Seit November 2015 verstärke ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin das Team Medienmanagement.

Der Mensch braucht Herausforderungen! Also fing ich meine Unterrichtstätigkeit gleich einmal mit einem zweitägigen Blockseminar an. Das Thema war „Das politische System der Bundesrepublik Deutschland“. Wo möglich, natürlich mit einem Medienbezug. Meine Studenten waren Menschen mit Fluchtgeschichte, die im Programm „Digitale Medien für Flüchtlinge“ (DMF) teilnehmen. Mein Ziel war es, diesen Menschen das Grundgesetz mit seinen ganzen Vorgaben für den Aufbau des Staates und seiner Institutionen näherzubringen. Darüber hinaus gab es eine Einführung in die deutsche Parteienlandschaft und die zahlreichen Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger sowie ein Überblick über die deutsche Medienlandschaft. Ich denke, ich hatte Glück mit meinen „Versuchskaninchen“. Alle Teilnehmer waren motiviert, sehr diskutierfreudig und neugierig.

 

Ich bin mir am Ende des Kurses jedoch nicht sicher gewesen, wer mehr gelernt hatte. Die Studenten über das politische System Deutschlands oder ich übers Unterrichten? Mit einem ganz eigenen und für mich erst einmal fremden Blickwinkel haben mir die Teilnehmer Fragen gestellt, mit denen ich nicht gerechnet habe. Ein Beispiel: Ich stelle kurz den Artikel im Grundgesetz vor, in dem steht, dass das deutsche Volk sich eine neue Verfassung geben kann (für Interessierte: Art. 146 GG). Dann werde ich gefragt, wie das ganz konkrete Verfahren dazu aussieht. Ich habe mir noch nie Gedanken dazu gemacht, weil das Grundgesetz sich so großer Beliebtheit erfreut, dass ich mir diese Frage nie gestellt habe. Übrigens meines Wissens nach auch niemand sonst. Es gibt noch kein Gesetz, das dieses Verfahren konkret regelt, zumindest keines, das ich finden konnte.

 

Dann gab es Fragen, bei denen ich die Antwort nicht einfach in Büchern nachschlagen oder im Internet nachschauen konnte. Warum wählen so viele Menschen die AfD? Sind PEGIDA alle Nazis? Was muss ein ganz bestimmtes Land machen, damit es so erfolgreich wie Deutschland in der Nachkriegszeit wird? Solche Fragen sind wissenschaftlich nur schwierig, wenn überhaupt, zu beantworten und hätten den Rahmen des Seminars gesprengt. Für die Teilnehmer war es daher wohl teilweise etwas unbefriedigend. Aber für mich war es nur eine weitere Lektion. Ich habe gelernt, dass ich mich im Vorfeld nicht auf alle Fragen vorbereiten kann und auch nicht alle Fragen beantworten können muss. Mein persönliches Fazit lautet daher: Ich kann das politische System der BRD und seine rechtlichen Grundlagen erklären, aber nicht die Welt.