​Wir hatten Besuch vom Manager Magazin in der HMS: Sven Clausen, Chefredakteur des Magazins, das uns als Marktführer im deutschen Wirtschaftsjournalismus vorgestellt wurde.

Die Einführung zum Manager Magazin wurde recht schnell zu einem offenen Gespräch, was ich persönlich immer am besten finde. Ich meine: Eine Marketing-Veranstaltung kann man immer besuchen, wenn man sich für ein Produkt interessiert. Aber ein ernsthaftes Gespräch mit einem Menschen, der direkt mit dem Produkt zu tun hat und einen Blick hinter die Kulissen geben kann, ist in meinen Augen viel wertvoller.

 

Die ersten Themen, die angeschnitten wurden, sind welche, mit denen sich die ganze Branche im Moment auseinander setzen muss: Wie kann man aus einer Marke mehr machen als nur ein Magazin und eine Webseite? Wie meistert man die Digitalisierung, wenn – oh Wunder – sich das Internet nicht nur als Trend herausstellt? Mal im Ernst, wer immer noch glaubt, das Internet hält sich nicht, muss hinter dem Mond leben. Aber Magazine wie das Manager Magazin (abgekürzt MM, was mich immer an M&Ms denken lässt…) sind erfolgreich in dem klassischen Modell. Sie wollen keine Veränderungen und stehen jetzt vor der großen Frage, wie es weitergehen soll.
Ich denke, wir konnten als Studiengang ein wenig Input zu diesen Fragen liefern, mit denen auch wir uns ja beinahe jeden Tag in unserem Studium beschäftigen.

 

Auch wenn uns das MM im Vergleich zu einigen anderen Medien etwas oldschool vorkam: Auch die Leser des MM sind überraschend stationär unterwegs, bereits ein wenig älter und – männlich. 86 Prozent der Leser sind Männer und das erklärte Ziel, mehr weibliche Leser zu gewinnen, scheint nur mäßig erfolgreich.

 

An dieser Stelle begann eine lange Diskussion über die Marke des Manager Magazins und das Image. Sven fragte uns beispielsweise, ob wir den Namen “Manager Magazin” negativ finden würden, da der Begriff des Managers nach Berichten von gierigen Managern eher negativ sei. Der Verlag habe sogar überlegt, das Magazin umzubenennen, aber “MM” erinnert eben doch sehr an die Schokodrops ;)
Er hatte auch ein paar Zahlen für uns dabei. Die Zusammenfassung: Das MM wird immer noch als sehr wertig wahrgenommen. So gibt es beispielsweise etwa 6 Leser pro Ausgabe, was man in der Differenz von der Reichweite zur verkauften Auflage gut erkennen konnte. Das MM scheint folglich durch mehrere Hände zu gehen. Auch wird das MM oft zitiert, obwohl es nur monatlich erscheint. Und es sollen bewusst Führungskräfte als Leser angesprochen werden. Die Fakten, die Sven Clausen uns nennen konnte, deckten sich überwiegend mit den Aussagen aus dem Kurs. So erzählte jemand, dass er sich durchaus gern mit dem MM in der Bahn zeige. Man “erhebe sich selbst” mit dem MM.
Allerdings: Es war ein männlicher Kursteilnehmer.

 

Die weiblichen Kursteilnehmer hatten zumindest überwiegend eine eher kritische Haltung zum Magazin: Das Cover sei zu dunkel, die Tonalität häufig zu gemein und niedermachend, Manager würden als reich und überheblich wahrgenommen werden, kurz: Das Magazin spreche Frauen nicht an.

 

Fun Fact: Die Chefredaktion des MM besteht aus drei Männern, laut Svens Aussage habe eine wirklich gute weibliche Journalistin vor kurzem aufgehört…

 

Svens Theorie, dass die Themen einfach nicht weiblich seien, wurde vom Kurs diskutiert und widersprochen. Die meisten Frauen waren sich einig, dass sie das MM lesen würden, wenn es anders aufgemacht und einen anderen Stil hätte. So wurde zum Beispiel der Wunsch geäußert und von Sven in seinen Notizen festgehalten, verschiedene Führungsstile vorzustellen und unterschiedliches Management zu zeigen. Dass der Manager selbst ein Mann sei, der Titel eher männlich klinge oder das Magazin von Auto- und Uhrenwerbung gepflastert war – who cares.

 

Ob das Manager Magazin also nur was für Männer sei, wir würden es zumindest in Frage stellen. Wir sind gespannt, ob vielleicht ein paar unserer Antworten demnächst im Magazin sichtbar werden!

 

Danke für den Besuch an der HMS!