Julia Mau absolviert ihr Praktikum bei der Verlagsgruppe NEWS und lernt dort nicht nur neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, sondern auch ein ganz neues Vokabular und das Prinzip der Gemütlichkeit kennen.

Von Julia Mau

Direkt nach den letzten Prüfungen des ersten Masterjahres, begann wie für meine Kommilitonen auch für mich das dreimonatige Sommerpraktikum. Nach meinen beiden letzten Praktika sollte ich auch dieses in der Verlagsbranche absolvieren, dieses Mal in der Abteilung „New Business“, welche neue Geschäftsmodelle und Erlösquellen außerhalb des klassischen Printgeschäfts entwickelt und in der heutigen Zeit für die Verlage essentiell ist.

Noch nie in Österreich gewesen, reiste ich in die ehemalige Kaiserstadt Wien und begann am 1. Juli meine dreimonatige Zeit bei der Verlagsgruppe NEWS, einer Tochter des Hamburger Verlagshauses Gruner & Jahr. Bereits nach den ersten Tagen und Wochen erhielt ich einen Eindruck von der österreichischen Lebensweise und dem unerwarteten Unterschied zu Deutschland. In den ersten Tagen verstand ich die Wiener wenig, nicht nur aufgrund des gewöhnungsbedürftigen Dialekts, sondern auch, weil die Österreicher für viele deutsche Wörter Synonyme verwenden. So werden Pfannkuchen Palatschinken genannt, Kartoffeln Erdäpfel, Polizisten Kieberer, Kontrolleure Schwarzkapler, meckern heisst bei den Wienern sudern usw. Die Vielfalt der Worte ist grenzenlos und so lerne ich wie von meinen österreichischen Kollegen jeden Tag die andere Sprache besser kennen.

Ebenfalls gehen die Österreicher, wie alle Dinge im Leben, auch die Arbeit eher gemütlich an. Ständig hört man den Satz „Das passt schon“, Vertragsklauseln werden mit der Einstellung „Das dehnt sich aus“ geschrieben, was soviel bedeutet wie, das wird schon alles passen und wenn nicht, auch nicht so wichtig. Ebenfalls existiert hier noch kein Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und Restaurants, sodass ein feiner Rauchgeruch durch die Flure schwebt.

Generell ist der Medienmarkt in Österreich sehr unterschiedlich im Vergleich zum deutschen Markt, was zum einen an der Größe des Landes liegt, doch vorerst an der Tatsache, dass Österreich in der digitalen Entwicklung zehn Jahre zurückliegt. SEO steckt noch in den Kinderschuhen, stolz ist man hier auf mobile Websites, aber Apps werden noch nicht weiter betrachtet. Generell sind die Arbeitskollegen sehr nett, denn sie organisieren für mich Umlaufgespräche in allen Abteilungen, Druckereien und bei einem Grossisten, sodass mir neben meinen abteilungsbezogenen Aufgaben und zusätzlichen Projekten für den Vorstand nicht langweilig wird.

Jedoch trifft man außerhalb des Büros teilweise auch auf eine Feindlichkeit gegenüber uns Deutschen, auch Piefkes genannt. So wurden nach dem WM-Sieg zum Beispiel deutsche Flaggen öffentlich verbrannt.
Nach Feierabend und an den Wochenenden wird die hübsche, barocke Stadt mit ihren vielen Kaffeehäusern, Parks, fürstlichen Gebäuden, Kulturangeboten und vielseitigem Nachtleben erkundet. Highlight im Juli und August sind die Filmfestspiele, die auf dem Rathausmarkt veranstaltet werden und jeden Abend Opern, Ballettstücke, aber auch Konzerte zeigen und für das leibliche Wohl sorgt die traditionelle, deftige österreichische Küche. Nachdem seit Beginn meines Praktikums ununterbrochen bis zu 35 Grad und Sonnenschein herrschen, freue ich mich auf die restlichen sechs Wochen in Österreichs wunderbarer Hauptstadt, jedoch auch ein bisschen auf den ersten Regen in Norddeutschland…