So fühlt es sich an, hier anzukommen

 

Bereits im Anschluss an das Assessment-Center hörte ich diesen Begriff zum ersten Mal: die Kleinen. Schon bei der Vorstellung gegenüber einem Studierenden der Hamburg Media School hieß es: „Bettina gehört jetzt zu den Kleinen“. Am ersten Studientag höre ich diesen Titel zum zweiten Mal. Wir sind „die Kleinen“. Die „Kleinen“ heißt an der HMS, „der jüngste Studiengang“. In unserem Fall MM17 –bedeutet MBA Medienmanagement mit Abschluss im Jahr 2017. Wir sind 24 Studierende, davon 17 Frauen und 7 Männer, im Alter von 22 bis 30 Jahren. Die Studienhintergründe reichen von allgemeinen Studiengängen wie BWL, VWL und Jura bis zu Spezialbereichen wie Kunstgeschichte, Digitale Medienkultur, Regie und Filmmusik-Komposition. Ein großer Teil der Studierenden kommt – gar nicht verwunderlich – aus dem Bereich Medien und Kommunikation. Der Umfang der vorangegangenen Berufserfahrung unter den Studierenden variiert ebenso wie der fachliche Hintergrund. Einen detaillierten Überblick über uns 24 gibt es hier.

 

Über neun Wochen sind „wir Kleinen“ nun an der Hamburg Media School und schon ordentlich ins kalte Wasser geschubst worden. In Trimestern zu studieren bedeutet, dass wir in zwei Wochen bereits Klausuren schreiben; es geht also alles sehr schnell.

 

Die verschiedenen Seminare beinhalten unterschiedlichste Themen, die uns einen Überblick über die Medienwelt geben: Filmtechnik, VWL, Management, Statistik, Gesellschaftsrecht, Privatrecht sowie Medienproduktion und –distribution. Inhalt des Seminars „Medienmärkte“ ist eine Teamarbeit, in welcher wir eine Medienmarktanalyse durchgeführt haben, jedes Team zu einem anderen Markt. Meine Gruppe analysierte und präsentierte beispielsweise webbasierte Soziale Netzwerke.

 

Zu Anfang fiel es mir noch schwer, mich nach etwa vier Jahren Berufsleben wieder in den Studienalltag einzuleben. Gerade die ersten Wochen waren wirklich anstrengend. Von früh bis spät wurden wir mit neuen Informationen überfüttert. Teilweise Unterricht – ich sage bewusst Unterricht, da es sich bei 24 schon sehr wie Schulklasse anfühlt- auch samstags und/oder bis 19 Uhr. Schwer fiel es mir vor allem, nicht mehr wie gewohnt von 7:30 bis 17:00 Uhr am Schreibtisch zu sitzen, mir meine Zeit einteilen zu können und vor allem auch zu produzieren und nicht größtenteils zu konsumieren. Abends war ich oft so informationsgesättigt, dass ich halbtot ins Bett fiel. Mit der angeratenen Vor- und Nachbereitung einzelner Seminare kam ich nicht hin.

 

Intuitiv könnte man annehmen, dass das Thema Finanzen und die Kosten dieses Studiums öfter zur Sprache kämen. Einige Studierende waren sich zu anfangs sehr unsicher, einen Vertrag zu unterschreiben, ohne vorher eine Zusage für finanzielle Unterstützung erhalten zu können. Allerdings muss man hier sagen, dass seitens HMS das Versprechen, sich jedes einzelnen Studierenden anzunehmen und in jedem Individualfall für Unterstützung zu sorgen, gehalten wurde. Am Anfang wurde unter uns ab und an besprochen, wer ein Stipendium erhalten hat oder sich das Studium selbst finanzieren konnte. Aber ein zentrales Thema sind Finanzen tatsächlich nicht.

 

Inzwischen hat sich das Zeitpensum ein wenig gelichtet und es bleibt mehr Zeit und Kraft für die Vorbereitung von Klausuren. Dass hier an der HMS allerdings kein allzu großer Wert auf eine eins vor dem Komma gelegt wird, wurde uns schon anfangs mitgeteilt. Der Wortlaut war in etwa: „Streber mag hier keiner!“. Sinn des Studiums ist eine gelungene Vorbereitung auf eine spätere Manager-Tätigkeit und natürlich zu wissen, wo man wichtige Informationen beschaffen kann. Eine sinnvolle Sichtweise, die ich aber noch nicht ganz verinnerlichen kann, bin ich es doch aus vorherigen Bildungsanstalten anders gewöhnt. Sich einen oftmals sinnfreien Perfektionismus abzugewöhnen ist auch für die Teamarbeit sinnvoll. Eine Marktanalyse ist ein weites Feld und es passiert schon mal, dass man vom Hundertstel ins Tausendstel kommt.

 

Nach fast zwei Monaten wachsen wir als MM17 auch langsam zu einer Gemeinschaft zusammen. Der große Vorteil eines kleinen Klassenverbands und der Teamarbeit ist, dass man sich untereinander gut kennen lernt. So kommt es nämlich vor, dass man samstags mit dem gesamten Kurs in der Mittagspause Pizza bestellt oder bei Ausflügen (hier dazu ein Blogeintrag von Melanie) gemeinsam mit Bus und Bahn quer durch Hamburg fährt. Wer eine Fete veranstaltet oder ein Event besucht, lädt meist die „Klassenkameraden“ ein.

 

Ich kann also bisher berichten, dass ich mich an der HMS sehr wohl fühle. Ob das in der Klausuren-Phase immer noch so ist, dafür kann ich nicht garantieren… Aber meine Befindlichkeits-Ampel steht derzeit auf grasgrün!