Foto„Erst mal kauft sich jeder ein Exemplar“, formuliert Svenia schon mal unser erstes To Do. Zugegebenermaßen ist es eine Weile her, seit ich zum letzten Mal eine Ausgabe der „c’t“ in den Händen hielt. Die Computerzeitschrift ist das Flaggschiff des Heise Zeitschriften Verlags und mir durch meine Ausbildung als Verlagskauffrau in der Heise Medien Gruppe noch gut vertraut. Umso schöner, dass unser erstes Praxisprojekt ein Wiedersehen mit dem Hannoveraner Verlagshaus ermöglicht hat. Meine Zeit als absoluter Grünschnabel in der Medienbranche liegt jetzt mittlerweile sechs Jahre zurück und auch die „c’t“ ist älter geworden. 30 Jahre hat sie mittlerweile auf dem Buckel, aber eins hat sich nicht geändert:  Produkte werden intensiv und kritisch auf Herz und Nieren geprüft und Testsieger gibt’s schon mal gar keine. Um diese Qualität alle zwei Wochen auf 200 Seiten zu halten, leistet sich der Verlag auch über 90 Redakteure und Assistenten. Studenten im IT-Bereich scheinen die Marke allerdings etwas aus den Augen verloren zu haben. Wir sollten deshalb herausfinden, wie sich die Informatiker von morgen informieren, was sie wie und wo lesen und ob sie überhaupt bereit sind, für redaktionelle Inhalte zu bezahlen. Im Kickoff-Gespräch mit André Lux, Leiter Vertrieb & Marketing beim Heise Zeitschriften Verlag wird klar: Unsere Vorgänger, die eine Social Media-Strategie für „c’t“ entwickelten, haben mächtig Eindruck hinterlassen. In die Fußstapfen wollen wir natürlich auch treten. Wir legen los, führen Telefoninterviews mit Studierenden, konzipieren einen Online-Fragebogen und telefonieren zu viert sämtliche Hochschulen in ganz Deutschland ab, unseren Link zur Befragung doch bitte an ihre Schützlinge weiterzugeben. Über 70 sagen ja  - und wir haben endlich das Gefühl, etwas ins Rollen gebracht zu haben.

Halbzeit in Hannover

Unterdessen, in Hannover-Kleefeld: André Lux und seine Stellvertreterin Noreen Lengdobler haben uns zur Zwischenpräsentation ins Verlagshaus eingeladen. Unsere Umfrage war schon gestartet, deshalb wollten wir vor allem zeigen, wie wir bisher vorgegangen sind und was wir bis zur Endpräsentation im Dezember vorhaben. Unsere Praxispartner stimmen uns nicht nur zu, wir können nun auch die studentischen „c’t“-Abonnenten befragen. Nach dem Genuss von Curry-Wurst in der Heise-Kantine und der Gewissheit, mit unserem Projekt auf dem richtigen Weg zu sein, wurden wir vom stellvertretenden Chefredakteur der „c’t“, Georg Schnurer, durch die heiligen Testräume der „c’t“-Redaktion geführt. Georg Schnurer ist eines der bekanntesten Gesichter des Heftes, war Co-Moderator von „c’t magazin.tv“ im hr fernsehen und genießt bei vielen Lesern (wenn nicht sogar bei allen) absoluten Kultstatus. In einem der ersten Räume, die wir zu sehen bekommen, offenbaren sich fertige Projekte des Sonderhefts „c’t Hacks“ für leidenschaftliche IT-Hobby-Bastler und Programmierer. Beherzt Game-Klassiker daddeln wie mit den Spielautomaten der 80er? Mit den Anleitungen in der Zeitschrift kein Problem. Den Emulator-PC im Spielhallengehäuse wie er hier bei Heise steht, können Leser zu Hause nachbauen. Auch die Wasserrakete aus einer handelsüblichen Cola-Flasche, Wasser, Pappe und einer Luftpumpe würde sogar MacGyver ein bisschen neidisch machen. (Dass sie wirklich fliegt, zeigt übrigens dieses Video: http://www.heise.de/video/artikel/Flasche-leer-Bastel-Dir-ne-Wasserrakete-2044453.html ) Ein wirkliches Highlight ist der schallarme Raum zur Lärmmessung von Rechnern, ausgekleidet mit eierkartonartigen Schaumstoffkegeln, gegen die wir uns auf keinen Fall lehnen sollen, so Schnurer. Machen wir natürlich nicht – wie die Kabine Geräusche verschluckt, ist beeindruckend genug. Wem das noch nicht reicht: Wie wäre es mit einem UV-Labor zur Simulation von Sonnen-Einstrahlung, einem Foto-Studio oder einer EMV-Kabine zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlung? Spätestens nach dieser Tour ist jedem klar, wie akribisch die Redaktion testet und was den Wert des Heftes ausmacht. Vor den 600 Ausgaben aus 30 Jahren, die sich in der Empfangshalle bis nach oben türmen, machen wir noch ein Foto, dann geht es auch schon wieder zurück nach Hamburg.

„Die wissen, was sie tun“

Gleicher Ort, nur etwa einen Monat später: Im Konferenzraum bei Heise befinden sich nicht nur unsere Ansprechpartner André Lux und Noreen Lengdobler, sondern auch Beate Gerold (Mitglied der Geschäftsleitung und meine ehemalige Ausbilderin) sowie einige Mitarbeiter aus Vertrieb und Redaktion. Das Thema stößt eben selbst vor den Weihnachtsfeiertagen auf großes Interesse im Verlag. Früher als gedacht, fangen wir mit unserer Präsentation an und hoffen, dass unsere Empfehlungen, die wir aus den Befragungsergebnissen abgeleitet haben, angenommen werden. Viele Zwischenfragen kommen und zu unserer Freude reichlich positives Feedback. Auch die Redakteure, obwohl oder gerade weil sie an ihrem Heft hängen, sind sehr interessiert und aufgeschlossen. Jan-Keno Janssen, den ich Tage zuvor noch mit Nick Sohnemann bei der Google Glass-Demonstration während des „Online Marketing Frühstück“ erleben konnte, stellt viele Fragen. In der Feedbackrunde gibt er uns mit: „Also, ich kenne euch nicht und weiß nicht, was für einen Hintergrund ihr habt, aber vom Zuhören würde ich auf jeden Fall sagen: Die wissen, was sie tun. Wenn ihr jetzt gesagt hättet, ihr seid von (eine bekannte Beratungsfirma, die an dieser Stelle nicht genannt werden soll), dann hätte ich das geglaubt.“ Die Freude, unseren ersten Projektaufrag mit so positiven Rückmeldungen erledigt zu haben, hält noch Tage nach der Präsentation an. 2014 und weitere Praxisprojekte können kommen.