Vor meinem Auslandssemester an der Bond University, haben mich Freunde und Familie oft gefragt, ob ich mich denn darauf freue, nach Australien zu fliegen.
Ja, sicher habe ich mich darauf gefreut, aber ich wusste auch überhaupt nicht, was mich hier erwarten würde. Meine Gesprächspartner haben mir daraufhin oft ihr eigenes Bild, das sie von Australien haben, geschildert.
Hier sind die Top 5 Aussagen über Australien, ein Auslandssemester und meine persönlichen Einschätzungen dazu, wie es hier „wirklich“ ist.

 

Der Campus

Der Campus

Die Reise nach Australien ist lang!

Ja, der Flug nach Australien dauert tatsächlich ewig. 24 Stunden Reisezeit vergehen auch bei einer noch so großen Auswahl an Filmen, Büchern, Zeitschriften und Flugzeugessen nicht besonders schnell. Meinen ersten persönlichen Reisetiefpunkt hatte ich bereits nach einer durchflogenen (und so gut wie schlaflos verbrachten) Nacht beim Umsteigen in Dubai. Und da war gerade einmal ein Viertel geschafft. Auf dem zweiten Teil der Reise amüsierte mich dann der sehr nette, etwas ältere australische Rocker neben mir, der etwa ein bis zwei Mal stündlich einen Cocktail orderte. Erst fing er an, Musik zu hören und dann, einige Cocktails später, begann er, dazu mitzusingen. Immerhin konnte er irgendwann besser schlafen als ich. Als wir dann endlich die Westküste Australiens mit dem Flugzeug erreichten, wurde mir zum ersten Mal das tatsächliche Ausmaß der „Insel“ bewusst, denn: bis zum Zielflughafen waren es da immer noch knapp 6 Stunden. Aber dann ging es plötzlich ganz schnell: um 5 Uhr morgens wurden wir von fröhlichem Flugbegleitungspersonal geweckt (wieso sehen die nach 13 Stunden Flug eigentlich nach wie vor so frisch aus wie beim Abflug?), stiegen bei blauem Himmel und Sonnenschein aus dem Flugzeug und mussten bei der Einreise schriftlich bestätigen, dass keine Erdreste an unseren Schuhen hängen. Willkommen in Australien!

 

Blick aus dem Studentenwohnheim

Blick aus dem Studentenwohnheim

Australien liegt da unten, am anderen Ende der Welt

Hier stellt sich doch zuerst die Frage, wo ist eigentlich unten und wo ist oben auf der Welt? Bisher bin ich wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass Europa „oben“ im Norden liegt und man in Australien quasi auf dem Kopf steht. Das erste Mal in Frage gestellt habe ich das, als ich hier in Australien angekommen bin und nicht das Gefühl hatte, dass sich an meiner Lage auf der Welt irgendetwas verändert hätte. Aus dem Weltall betrachtet ist es vermutlich auch nicht feststellbar, wo auf der Erde tatsächlich oben und unten ist. Als ich das Thema hier mit Freunden diskutiert habe, wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass es nicht nur „unsere“ Weltkarte gibt und wenn man „right world map“ googelt, steht die Karte plötzlich Kopf und Australien liegt „oben“ (offensichtlich ist dann auch Süden oben und Norden unten). Mein Vertrauen in Karten endgültig zerstört hat jedoch die Aussage einer Freundin, dass der Teil der Erde nördlich vom Äquator auf unseren Karten wohl oft anders skaliert ist als der Teil südlich vom Äquator und Afrika beispielsweise in Wirklichkeit noch viel größer und Europa dementsprechend kleiner ist.

Und was ist nun die richtige Karte – wo ist oben und wo ist unten? Liegt vermutlich im Auge des Betrachters. Sicher ist, was hier auf jeden Fall falsch herum ist: der Mond – die Sichel liegt nämlich auf dem Bauch!

 

Sonnenaufgang: 5.14 Uhr

Sonnenaufgang: 5.14 Uhr

Sprachlich ist das mit dem Englisch ja sicher kein Problem für Dich!

Well, it depends. Grundsätzlich würde ich der Aussage durchaus zustimmen – ich spreche meines Erachtens ganz gut Englisch. Es kommt aber darauf an, mit wem. Amerikaner, Kanadier, und Europäer mit ihrem Englisch zu verstehen – kein Problem! Asiaten: da wird es mit dem Verständnis zum Teil schon schwieriger. Beruhigend zu sehen, dass sich selbst englische Muttersprachler hin und wieder schwer mit einzelnen asiatisch-englischen Worten tun. Australier: manchmal habe ich den Eindruck, da fehlen ein paar Buchstaben in einzelnen Wörtern (bspw: thä = that) und ich habe sie am Anfang oft erst beim zweiten Mal verstanden. Der Höhepunkt meiner Erfahrung mit englischen Akzenten war jedoch mein sehr netter indischer Kommilitone. Noch nie habe ich jemanden in einem solchen Tempo und in einem solch gewöhnungsbedürftigen Akzent eine Präsentation halten sehen. Jedoch, das Fazit nach vier Wochen: alles Übungssache und Gewohnheit – I clearly understand you! Und vielen Dank für eine solche Vielfalt an sprachlicher Erfahrung!

 

Auslandssemester sind total entspannt!

Das war zwar nicht der Grund, weshalb ich mich für ein Auslandssemester entschieden habe, aber ja, das hat mir jeder erzählt: Auslandssemester wären total entspannt. Als ich in meiner ersten Woche hier gefragt wurde, ob ich denn sicher wäre, mich nur in drei anstatt vier Fächer einschreiben zu wollen, dachte ich noch: Ja, dann habe ich wenigstens einen zeitlichen Puffer.

Weit gefehlt: einer der ersten Sätze meines Marketingstrategie-Professors (nachdem er mir persönlich zur Wahl des „besten Faches überhaupt“ gratuliert hatte) war: „Sleep is for mortals“. Hatten wir im ersten Moment noch alle über diese Aussage gelacht, zeigte sich schnell, wie ernst er sie meinte. Jetzt ergab es endlich auch Sinn, dass die Bibliothek hier 24 Stunden geöffnet hat! Und obwohl ich die letzten zwei Tage quasi in dieser Bibliothek gelebt, viel zu wenig geschlafen und viel zu viel Kaffee getrunken habe, hatte er Recht, der Professor: Ja, Marketingstrategie ist tatsächlich das „beste Fach überhaupt“!

Total entspannt wird es hier mit einem Berg an Hausaufgaben, trotz Auslandssemester, während der nächsten Monate vermutlich nicht mehr. Aber das Campus-Leben bietet zur Ablenkung eine Menge Möglichkeiten: vom Fitnesscenter über Tennis- und Squashplätze bis hin zu Hiphop-Tanzkursen und Fishing-Clubs. Und damit lässt es sich dann doch ganz gut leben – nicht zuletzt mit der wunderbar entspannten australischen Lebenseinstellung: No worries, mate!

 

Ausflug ins "Hinterland"

Ausflug ins “Hinterland”

In Australien leben die giftigsten Tiere der Welt

Dieser Punkt ist insbesondere meinen Eltern gewidmet. Ja, die giftigsten Tiere der Welt leben in Australien. Ja, es wurden schon Menschen gefressen und vergiftet und das ist wirklich bedauerlich. Das erste, was ich hier gelernt habe, war jedoch, dass die Tiere grundsätzlich erst einmal nicht daran interessiert sind, Menschen zu fressen. Wichtige Grundannahme. Und wenn man sich an ein paar Grundregeln hält (bspw. nicht barfuß durch hohes Gras im Hinterland streift), dann geht es einem vermutlich so wie mir: bis auf ein sehr farbenfrohes Spinnenexemplar habe ich kaum irgendein Tier gesehen. Interessanter sind da schon die Gerüchte und Tipps, die man hier hinsichtlich giftiger und gefährlicher Tiere erhält –  hier zwei Beispiele:

  • Jede Spinne erschlagen, die man sieht, einfach, weil man sich nicht sicher sein kann, ob sie giftig ist oder nicht (arme Spinnen)
  • Nicht bei Dämmerung surfen gehen, weil Haie dann wohl schlecht sehen und versehentlich Menschen fressen

Und mein Lieblingsgerücht zur allgemeinen Beruhigung: es ist wohl wahrscheinlicher von einer herabfallenden Kokosnuss getroffen zu werden, als von einem giftigen Tier angegriffen oder von einem Hai gefressen zu werden – was für ein Glück!