Wo sehen sich Deutschlands größte Medienkonzerne in der (digitalen) Zukunft? Hat zum Beispiel das Medium Zeitschrift überhaupt noch eine Chance, trotz sinkender Auflagenzahlen? Am Donnerstag, den 09. Februar, besuchte uns Jörg Hausendorf, Mitglied der Konzerngeschäftsleitung der Bauer Media Group, um genau über diese Themen zu sprechen.

 

Die Bauer Media Group, die sich selbst als „größter Zeitschriftenverlag Europas“ bezeichnet, ist ein international agierender Medienkonzern. Von ca. 2,3 Mrd. Euro Umsatz, die im Jahr 2014 erwirtschaftet wurden, stammen zwei Drittel aus dem Ausland. Zu ihrem internationalen Produktportfolio zählen, abgesehen von mehr als 600 Zeitschriften und 400 digitalen Produkten, über 100 Radio- und TV-Stationen. Neben Deutschland ist Bauer heute in Europa (Großbritannien, Skandinavien, Polen, Slowakei), den USA sowie Australien und Neuseeland vertreten. Mit einem Anteil von zwei Dritteln am Gesamtumsatz macht der Print-Bereich jedoch nach wie vor den Unternehmensschwerpunkt aus. Dazu zählt zum Beispiel Deutschlands auflagenstärkste Programmzeitschrift TV14. Im digitalen Sektor führt der Konzern die Online-Auftritte der bestehenden Print-Angebote auch in Verbindung mit den entsprechenden Apps zur mobilen Nutzung. Des Weiteren wurden einige Internetportale wie zum Beispiel Wunderweib.de in das Portfolio aufgenommen.

 

Allerdings reiche eine bloße digitale Verlängerung der Print-Angebote nicht mehr aus, da dieser Vorgang endlich sei, so Hausendorf. Sowohl im Kerngeschäft als auch im digitalen Bereich verfolge die Bauer Media Group daher vornehmlich eine Strategie des Fremdbezugs, um weitere lukrative Geschäftsfelder erschließen zu können. Weltweit würden passende Opportunitäten zugekauft und in die Produktpalette des Konzerns integriert. Generell betonte Hausendorf, dass im klassischen Zeitschriftenmarkt sehr wohl noch Potenzial bestehe. Eine Möglichkeit sei es hier mehrere Sinne der Leser durch die Gestaltung von Zeitschriften anzusprechen, zum Beispiel durch den Einsatz unterschiedlicher Papierqualitäten. Die weibliche Zielgruppe, die die Hauptleserschaft ausmache, würde besonders auf derartige Maßnahmen ansprechen.

 

Foto der Studenten der HMS mit Jörg Hausendorf

Jörg Hausendorf, Mitglied der Konzerngeschäftsleitung der Bauer Media Group, zu Gast an der HMS

Auf die Frage, ob nicht der demografische Wandel den Fortbestand der klassischen Angebote aus dem Segment der Boulevardzeitungen, auch „Yellow Press“ genannt, bedrohen würde, entgegnete Hausendorf, dass gerade in diesem Bereich und dem der Programmzeitschriften die Auflagen am stabilsten seien. Um die Zukunft von Magazinen wie Closer und InTouch zu sichern, die sich an eine jüngere Zielgruppe richten, müsse noch stärker auf deren Bedürfnis nach Unterhaltung in Verbindung mit Enthüllungen eingegangen werden.

 

Für die kommende Zeit sieht Jörg Hausendorf den Geschäftsschwerpunkt der Bauer Media Group nach wie vor in Europa. Neben Großbritannien und Osteuropa sei vor allem Skandinavien ein reizvoller Markt, da dieser bis jetzt relativ unbeachtet von anderen internationalen Medienkonzernen gewesen sei. Auf globaler Ebene stellen Australien und Neuseeland nicht nur den zweitgrößten Absatzmarkt nach Europa dar, sondern würden sich auch durch die  Nähe zu Asien als wertvoll erweisen. Eine weitere Expansion in den USA würde allerdings zu großen Teilen von den politischen Entwicklungen um Präsident Donald Trump abhängen. Je nachdem wie stark sich die Vereinigten Staaten zukünftig isolieren würden, könnte dies allerdings wiederum Chancen für den europäischen Markt bedeuten.

 

An dieser Stelle bedanken wir uns ganz herzlich bei Herrn Hausendorf für den informativen Vortrag und die anregende Diskussion und blicken gespannt in die Zukunft.