Was kann ich bieten und was sucht der Markt?

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Im Rahmen eines Coachings wurde mir aufgetragen, weniger darauf zu schauen, was ich gerne täte und was ich gut kann, sondern marktseitig darauf, was benötigt wird. Die letzten Wochen habe ich mich umgehört, vernetzt und abgetastet, wer jemanden mit meinen Qualifikationen sucht.

 

Nach den politischen Unruhen letzten Jahres ist die Wirtschaft Burundis in den Keller gesunken. Devisen sind Mangelware und somit ist der Import stark eingefallen. Eine hohe Inflation führt zu exorbitanten Preisen für Lebensmittel, Gas und Benzin. Die politisch unabhängigen und oppositionellen Medienhäuser wurden bedroht, angezündet oder schlicht geschlossen. Journalisten und Menschenrechtsaktivisten sind untergetaucht, befinden sich im Exil oder im Gefängnis. Die Lage ist nicht optimal.

 

Wo also wird jemand mit meinen Fähigkeiten benötigt?

 

Zunächst schaue ich mich im Land um.

 

Im Privatsektor befinden sich wenige Major Player. Darunter sind vor allem Konsumgüter-Produzenten und –Exporteure, Hotels und Gastronomie. Die größten Exportschlager: Kaffee, Tee, Baumwolle und Flüchtlinge. Etwas Zynismus soll erlaubt sein. Die Entwicklungszusammenarbeit hat einen starken Umbruch erlebt: Weg von langfristigem Aufbau der staatlichen Akteure, hin zu humanitärer Hilfe und Direkthilfe kleinerer Nicht-Regierungs-Organisationen.

 

Anzeige in burundischer Lokalzeitung Iwacu

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Für mich passende Stellenanzeigen finde ich keine. Was ich allerdings finde, sind Bedarfe im Bereich Marketing und Journalismus: Websites, die aussehen wie aus den 90ern, Hotels, die nicht einmal auf Tripadvisor auffindbar sind und Workshops für Journalisten, abgehalten von Organisationen wie der UN. Kleinere Aufträge als freiberufliche Beraterin sind hier durchaus denkbar.

 

Ich weite meinen Blick und schaue auf die Region.

 

Mein Blick fällt zunächst auf das unmittelbare Nachbarland: Ruanda erfährt derzeit einen wahrhaften Aufschwung. Beispielhaft für sein Aufrücken auf der weltweiten Agenda stehen die Ausrichtung des aktuellsten World Economic Forum on Africa mit Sprechern wie Tony Blair und Howard Buffett (Mai 2016) und des African Union Summit (Juli 2016) in Kigali. Investoren flocken ins Land, es wird beeindruckend viel gebaut und der Mittelstand wächst. Mein kurzer Besuch in der Hauptstadt nach etwas über einem Jahr raubt mir fast den Atem. Da kann Burundi nur neidisch schauen. Mir fiel auf, dass einige internationale Universitäten und Beratungsagenturen dort ihre Zelte aufschlagen und Werbe- und Marketingagenturen aus dem Boden sprießen.

 

Für mich bedeutet dies, dass ich mich noch etwas intensiver mit Themen der digitalen Transformation in Afrika sowie Karrieremöglichkeiten bei weltweiten Beratungsagenturen in Ostafrika beschäftigen muss. Ein schier endloser Faden an Tabs ist auf meinem PC geöffnet und ein Recherche-Strang führt zum nächsten… Es ist eine Herausforderung, einen klaren Überblick zu erhalten. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass auch hier eine Beratungstätigkeit möglich erscheint.

 

Je mehr Freunden und Bekannten ich von meinen Recherchen erzähle, desto mehr Vorschläge erhalte ich. „Schau doch mal bei…“. Und noch mehr Recherche. Und zwischenzeitlich passiert plötzlich etwas Unerwartetes. Jobanfragen! Eine Freundin braucht eine Übersetzerin für eine Website, eine Bekannte aus dem Kaffee-Sektor bittet mich darum mal einen Blick auf ihre Website zu werfen und ein Startup, mit dem wir im Rahmen des Studiums einen Tag zusammen gearbeitet haben, braucht Helfer. Auch die Firma meines Partners hat Baustellen. Bisher sind dies noch nicht die lukrativsten Aufträge, aber meine Fähigkeiten gebraucht zu wissen, gibt mir zumindest den moralischen Boost, den ich brauche. Und mit Erfahrung kommt bestimmt auch der nächste Auftrag. Ein Schritt in die richtige Richtung also.

 

Jetzt erst einmal sehen, was aus diesen Anfragen wird und die Ergebnisse der Recherche sacken lassen.

 

Next step: Profil schärfen und Netzwerken. Stay tuned…

 

Teil eins nicht mitbekommen? Den gibt’s hier. Und Teil drei hier.