Nachdem ich recherchiert, Profile poliert und Klinken geputzt habe, bekam ich einen starken Dämpfer. Naja, so düster ist es auch nicht, aber aus subjektiv empfundenen Rückschritten entwickelt sich bei mir Frust und zugegebenermaßen ein wenig Trotz.

 

Der Reihe nach. Nachdem ich erfuhr, dass Hubert Burda Media einen Standort in Kigali, Ruanda eröffnet, machte ich mich dran, die zuständigen Personen zu kontaktieren. Rückmeldung? Fehlanzeige. Das Startup, für das ich arbeiten sollte, macht (nach einigem Hin und Her) einen Rückzieher und braucht meine Arbeit erst in einigen Wochen. Der Übersetzungs-Job muss finanziell noch genehmigt werden. Und je mehr ich in den burundischen Privatsektor blicke, desto klarer wird mir, wie gering die Zahlungsbereitschaft für meine Dienste auch in einem Jahr noch sein wird. Selbst hiesige Privatsektor-Giganten fahren entweder Verluste ein oder auf Sparkurs. Der letzte Tropfen im Frust-Fass: Ich muss zur Beerdigung eines ehemaligen Kollegen.

 

Durchatmen, besinnen und Objektivität zurückgewinnen. Immerhin habe ich einige neue Kontakte geknüpft und arbeite nach wie vor für die Firma meines zukünftigen Ehemanns.

 

Neben der Überwachung des Relaunches der Firmenwebsite, treffe ich mich mit Designern für Marketing-Material. Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich die Ausbildungsniveaus zwischen Deutschland und Burundi sind. Besagtes Design-Büro arbeitet für einige Größen im Land und dennoch sehe ich mich mit einem Flyer konfrontiert, auf dem doppelte Leerzeichen noch das kleinste Übel sind. Nach meiner Frage zur Ausbildung der drei Angestellten, erfahre ich, dass sie zwar den formalen Umgang mit Photoshop gelernt haben, ihnen jedoch Training im Bereich grundlegender Design-Regeln und Marketing fehlt. Die Konzeption sollte in meinem Verständnis der formalen Erstellung vorausgehen. Aber das haben die Kollegen nicht gelernt. Ich entschließe mich also dazu, ein wenig Zeit zu investieren und ein paar goldene Regeln des Designs sowie konzeptionelle Fragen mit einem der Designer durchzugehen. Er ist dankbar für meinen Input (O-Ton: „Madame, vous êtes vraiment professionnelle! Merci vraiment.“) und nach zwei weiteren Feedback-Runden bin ich mit unserem Flyer einigermaßen zufrieden, finde aber dennoch ein weiteres Leerzeichen zu viel. Puh. Geduld ist eine Tugend. Normalerweise hätte ich das Design einfach selbst übernommen, aber daraus lernt ja keiner.

 

Der coolste Teil meiner Arbeit ist jedoch der kommende Woche stattfindende Workshop, den ich konzipiere, durchführe und moderiere. In einem Event stecken sowohl Team-Building als auch formales Training in den Bereichen Kommunikation, Marketing und Akquise. Ich freue mich sehr darauf, die sechsköpfige Promotion-Abteilung kennen zu lernen und ihnen hoffentlich das eine oder andere beizubringen. Es ist zudem eine Erfahrung im Bereich Training, der mich nach wie vor stark reizt. Wie immer vor einem von mir geplanten Event, habe ich aber Lampenfieber. Ob ich die Erwartungen an mich erfüllen kann? We will see…

 

Nach einer gewissen Trotz-Phase (meine inneren Monologe erinnerten mich stark an den dreizehnjährigen Sohn einer Freundin), habe ich mich dazu entschlossen, weder Business-Plan noch Finanzierung in Angriff zu nehmen und gegen meinen Instinkt die Dinge weiter auf mich zukommen zu lassen. Das birgt genau so viel Frustpotenzial, wie ein nicht realisiertes Projekt aufgrund der wirtschaftlichen oder politischen Lage. Denn ich muss eingestehen: Wie meine Karriere-Chancen in einem Jahr aussehen, kann ich bei bestem Willen nicht einschätzen. Und so nutze ich jetzt noch die verbleibende Woche, um meinen Aufenthalt in meinem zweiten Zuhause zu genießen. Alles andere kann und muss warten.

 

Die letzte Woche widme ich dem Genießen dieser wunderschönen Stadt. (Blick über Bujumburas Hügel vom Golfplatz)

Ist das nicht traumhaft? Das ist der Blick vom Golfplatz auf die Hügel hinter Bujumbura.

Résumée nach der ersten Halbzeit also: Das wird schon irgendwie. Vielleicht nicht das, was ich ursprünglich geplant hatte, aber irgendwie eben.

 

P.S.: Wie das Training gelaufen ist, werde ich natürlich hier berichten.

 

Hier findet ihr Teil eins, zwei, drei und fünf der Serie “Halbzeit”.