Ein Rückblick auf die Masterclasses der Online Marketing Rockstars 2018

Die Konferenz der OMR 2018

Die Konferenz der OMR 2018

 

Mit einer die Ausstellungsfläche von 65.000m², über 300 Ausstellern und über 300 Top-Speakern hat das Festival „Online Marketing Rockstars“ einiges zu bieten. „Festival?“, mag sich der aufmerksame Leser an dieser Stelle wundern. „Das klingt doch eher nach einer Messe!“

Aber hier ist Vorsicht geboten, denn auch wenn man in Versuchung gerät die Veranstaltung als Messe zu bezeichnen, sollte man sich hier nicht aufs Glatteis führen lassen. Den Namen haben die Veranstalter nämlich nicht nur gewählt, um das Event als innovativ und hip zu vermarkten, sondern tragen diesen völlig zu recht. Denn wenn die OMR eines zu bieten hat, dann ein namensgerechtes Festival-Feeling. Und das nicht nur, weil sie mit Musikstars wie Deichkind, Marteria, Bausa 5 Sterne Deluxe und Oli P. aufwarten konnte, die die Stimmung auf den abendlichen Partys nochmal zum Kochen brachte. Nein, vor allem erlebte man hier zwei Tage, an denen sich die Branche selbst feierte. Über 40.000 internationale Fachbesucher kamen zusammen, um sich über Trends, Best Practices und Business Insights auszutauschen. Da wurden auch die CEOs großer Unternehmen gedutzt, genetworkt, was die Visitenkarten hergaben und das ein oder andere Bier (oder Gin oder Jägermeister oder…) an der OMR-Bar verköstigt.

Aber das Festival regte nicht nur die Entgiftungsfunktionen der Leber an, sondern vor allem das Gehirn – kreativer Input fand sich hier überall im und außerhalb des Programms. Neben der großen Expo und mehreren Side-Events, belebten vor allem die Top-Speaker auf der Deep Dive Stage, der Big Picture Stage sowie bei der großen Konferenz die Szenerie.

 

Die Konferenz der OMR 2018

Die Konferenz der OMR 2018

 

Bei so viel Trubel könnte man fast vergessen, dass die OMR aber noch einen weiteren Schatz für interessierte und wissbegierige Online-Marketeers (und solche, die es werden wollen) zu bieten hatte. Etwas abseits der vollen Messehallen und auf den ersten Blick recht unscheinbar, ließen sich einige abgeschirmte Räume mit kleinen Bühnen finden, die mit ihren wenigen Stuhlreihen zunächst nicht sonderlich beeindrucken vermochten. Doch genau hier ließen sich die wohl intimsten und interaktivsten Veranstaltungspunkte des Festivals ausfindig machen: über 120 Masterclasses, die spannende Inhalte und Learnings aus der Praxis vermittelten, konkrete Beispiele und Tools vorstellten und How-To‘s für Anfänger, als auch Profis an die Hand gaben. Ganz umsonst, dafür bestenfalls mit Voranmeldung, konnten hier Geheimnisse von Branchenexperten unterschiedlichster Disziplinen entlockt, mitgearbeitet, mitgedacht und vor allem nachgefragt werden.

 

Lohnt sich Snapchat als Werbekanal für das eigene Produkt? Wie funktioniert eine gute Zielgruppenanalyse und welche Tools können dabei helfen? Wie steht es um den ROI beim Sponsoring von E-Sport?

Diese und viele weitere Fragen wurden bei den Masterclasses beantwortet. Das Besondere hierbei war, dass Vertreter von Unternehmen und Marketeers sich nicht nur allgemein informieren, sondern konkret ermitteln konnten, ob die vorgestellten Firmen, Dienstleistungen, Tools oder Trends in den eigenen Arbeitsalltag implementiert werden könnten.

 

Da die HMS seit erster Stunde akademischer Gründungspartner der OMR ist, erhielten mehrere Studierende der Hochschule die Möglichkeit Masterclasses hosten und sich somit auch die jeweiligen Vorträge anhören zu dürfen. Auch ich gehörte damit zu den Menschen, die an den OMR in ein Mikrofon sprechen durfte – und das ganze acht Mal. Zugegebener Maßen waren die vielen Vorträge zu je 90 Minuten allein durch die Vielzahl durchaus anstrengend, aber dafür auch höchst interessant.

 

Der Stand der HMS auf den OMR 2018

Der Stand der HMS auf den OMR 2018

 

Oder wusstest du, dass 60% der Snapchat-Nutzer den Ton ihres Smartphones anlassen? Ich auch nicht, bis Liane Siebenhaar von Snap Inc. Snapchat als Werbekanal vorstellte und verdeutlichte inwiefern die App für Creatives relevant sein könnte. Laut ihrem Vortrag unterscheidet sich Snapchat insofern deutlich von anderen Social–Media-Plattformen, dass es bei dieser nicht im Vordergrund steht sich von seiner besten Seite zu präsentieren wie es beispielsweise bei Instagram der Fall ist. Liane beschrieb den Kern der App mit „Freiheit, Fun und Freunde“, wobei besonders letzteres als Vorteil für Werbetreibenden herausgestellt wurde. Auf Snapchat hat man weniger Freunde als auf Facebook, dafür aber engere und Empfehlungen aus diesem Kreis sind deutlich effektiver als z.B. die von Influencern. Snapt jemand also ein Bild mit dem Filter einer bestimmten Marke, ist der Effekt bei den Freunden wesentlich stärker. Dabei richtet sich Snapchat an eine junge Zielgruppe, die sonst oft schwer zu erreichen ist – und das mit einer hohen Engagementrate. Somit wundert es auch nicht, dass viele große Marken Kampagnen auf Snapchat schalten.

Zwei solcher Kampagnen wurden innerhalb der Masterclass dann auch von den jeweiligen verantwortlichen Creatives vorgestellt. Neben einer sehr erfolgreichen BMW-Kampagne, die neben Filter auch die Augmented-Reality-Funktion der App ausreizte, wurden hier auch Einblicke in die, zum Zeitpunkt der OMR noch nicht veröffentlichte Kampagne einer neuen Deo-Serie von 8×4 vorgestellt. Man gewann also an konkreten Beispielen Einblicke in die Verwendung von Snapchat als Werbekanal. Das faszinierte nicht nur mich, sondern eine Vielzahl der Besucher, die die anschließende Fragenrunde bis auf die letzte Sekunde ausnutzten.

 

Die Masterclass "How To: Creatives auf Snapchat" von Liane Siebenhaar

Die Masterclass “How To: Creatives auf Snapchat” von Liane Siebenhaar

 

Ein weiteres (zugebenen persönliches) Highlight meiner besuchten Masterclasses stellte der Vortrag von Sam Conniff von RedBull Amaphiko mit dem Thema „How to Start a Movement“ dar. Er stellte nicht nur die Arbeit seiner Organisation anhand von Beispielcases vor, die weltweit unterschiedlichste Bewegungen unterstützt, sondern lieferte mit Hilfe seiner Gäste Jon Rose und Amanda Brinkman, die beide erfolgreich eine eigene Bewegung ins Rollen gebracht hatten, aus dem Leben gegriffene, praxisnahe Insights darüber wie (Online-)Bewegungen entstehen, welche Motivationen hinter ihnen stehen, aber auch welche Hürden vor ihnen.

Jon Rose, ehemaliger Surfprofi und Gründer von „Waves for Water“, erzählte beispielsweise wie ein Erdbeben in Sumatra, das er selbst miterlebte, in ihm den Willen weckte humanitäre Arbeit zu leisten und er Haus, Frau und alle Sicherheit zurückließ, um monatelang in einem Zelt zu leben – das Ziel: mittels portabler Filter Menschen mit sauberen Trinkwasser versorgen. Die hierzu passende Social-Media-Kampagne „#NoFilter“, die auf das weltweite Trinkwasserproblem aufmerksam machen sollte, wurde von mehreren Hollywood Celebrities unterstützt und letztendlich so erfolgreich, dass sie mehrfach ausgezeichnet wurde. Jeder könne die Welt verändern, so der Konsens der Vortragenden, man müsse nur die „Power“ in sich entdecken, die einem in der heutigen Gesellschaft fast schon abtrainiert werden würde und sich voll und ganz dafür einsetzen, was man erreichen will. Spannend hier waren aber nicht nur die abschließenden Tipps der Speaker, die da lauteten „Stay crazy“ und „Have Fun“, sondern auch der praktische Teil der Masterclass, welcher es von den Teilnehmern erforderte sich Gedanken darüber zu machen, wer sie sind, was sie erreichen wollen und wie sie die Welt – wenn auch in kleinem Maßen – verändern wollen. Hierzu wurden vorab Zettel verteilt, auf welchen Sätze vervollständigt werden mussten. Wirklich originell wurde es, als sich herausstellte, dass diese Sätze als Vorlage für einen Trailer über das eigene Leben, die eigene Bewegung oder auch das eigene Unternehmen dienten und freiwillige Teilnehmer diesen in passender Movie-Trailer-Stimme vortragen sollten.

 

Am Stand der HMS auf den OMR 2018

Am Stand der HMS auf den OMR 2018

 

Last, but not least – nicht nur im Kontext dieses Blogbeitrages, sondern tatsächlich meine letzte zu hostende Masterclass am Freitagabend – ging es ganz schön leidenschaftlich her. Die „Rocket Beans“-Gründer Arno Heinisch und Daniel Budiman erzählten in ihrem Vortrag „Warum Leidenschaft siegt“ mehr über ihren Online-Sender und dessen Erfolg, den sie vor allem auf Herzblut und vollem Engagement begründen. Die Pioniere ihrer Branche haben es geschafft, ihren Content, der im Fernsehen als „Giga“ und „Game One“ bekannt so keine Zukunft hatte, in ein, in Deutschland zuvor nicht existentes, Online-Konzept umzusetzen.

Einfach war dies insbesondere zu Beginn nicht, aber es sei vorweggenommen: dafür sehr erfolgreich. Kaum verwunderlich, denn der Vortrag hieß ja auch „Warum Leidenschaft siegt“ und nicht „Warum Leidenschaft ganz in Ordnung ist“. Und als Sieger können sich die „Bohnen“, wie sich die Vortragenden selbst betiteln, durchaus fühlen, denn die Idee ging auf. Der Sender schrieb von Beginn an schwarze Zahlen, nicht zuletzt durch die Unterstützung der starken Community aus Fernsehzeiten. Mittlerweile finanziert sich der Sender neben Spenden der Community sowie durch Abonnemontmodelle der und Werbung auf den jeweiligen Sendeplattformen Twitch, YouTube und Waipu auch durch Kooperations- und Platzierungsmöglichkeiten für Unternehmen. Wichtig, so hieß es, sei es bei letzterem, dass die redaktionelle Freiheit erhalten bliebe, denn die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der Community stehe im Vordergrund. Dies scheint aufzugehen, denn die Zuschauer loben Formate wie z.B. „Gadgets Inspectors“, das in Zusammenarbeit mit Vodafone entstanden ist – vor allem weil sich die „Bohnen“ ihre Authentizität bewahren.

Für mich war die Masterclass aber nicht nur so interessant, weil sie veranschaulicht wie analoge Konzepte auch ins Digitale übertragen werden können, sondern auch weil die Vortragenden mit viel Charme und in einer sehr entspannten, lustigen Stimmung durch die 90 Minuten führten. Am Ende hätte ich mich fast selbst zu einem der Fans gezählt, die unbestreitbar vertreten waren und spätestens in der Fragerunde Farbe bekannten – in diesem Fall bohnenrot.

 

Ein Blick auf die Expo

Ein Blick auf die Expo

 

Es bleibt anzumerken, dass diese drei Masterclasses nicht nur ein beispielhafter Ausschnitt jener sind, die ich selbst miterlebt habe, sondern von einer ganzen Reihe spannender Vorträge, die man besuchen konnte. Nicht zu vergessen, dass es auf den OMR noch so viel mehr zu entdecken gab. Dementsprechend ist es fast unmöglich in einem einzigen Blogbeitrag zusammenzufassen, was dort geboten, erlebt und gelernt werden konnte und dabei der Realität auch nur annähernd gerecht zu werden (wohingegen dieses Video das schon richtig gut macht!). Die Empfehlung ist klar: Jeder der sich auch nur entfernt für Online-Marketing interessiert, sollte bei den OMR 2019 dabei sein und sich selbst ein Bild von der Veranstaltung machen. Und sind wir mal ehrlich – wie oft hat man schon die Gelegenheit lautstark zu beweisen, dass man immer noch die gesamten Lyrics von „Flugzeuge in meinem Bauch“ auswendig kann und gleichzeitig etwas Gutes für die eigene Karriere zu tun?

 

In diesem Sinne: Wir sehen uns nächstes Jahr!