La France en bref ! Teil 2 heute mit brennenden Radarfallen, Zlatan Ibrahimovic und jeder Menge Bling Bling.

La France en bref ! Teil 2 heute mit brennenden Radarfallen, Zlatan Ibrahimovic und jeder Menge Bling Bling.

Salut les amis,

es geht munter weiter im Hamsterrad der Medienbegeisterung!

Ich könnte heute etwas über die Presse in Frankreich erzählen (langweilig), das Kino (hatten wir schon) oder die medienpolitischen Inszenierungen französischer Präsidenten. Mach ich aber nicht. Zumindest nicht direkt.

Heute soll es um ein innovatives, hochwertiges und doch unterhaltsames TV-Format gehen. Bei dem ganzen Schund, den Ihr Euch Tag für Tag im Fernsehen reinzieht, mag das vielleicht paradox klingen. Aber hey, wir sind in Frankreich, hier sind Paradoxa grundrechtlich geschützt …

Le Grand Journal

So heißt der erste Teil des Formats, das montags bis freitags auf dem Pay-TV-Sender Canal+, dem französischen Pendant zu Sky, ausgestrahlt wird. Vor der Primetime, also zwischen 20 und 20:50 Uhr wird die Pay-TV-Sperre aufgehoben, sodass sich auch die nichtzahlenden Lausebengel von Austauschstudenten davon vergewissern können, dass auf der Suche nach guter Fernsehunterhaltung kein Vorbeikommen ist an den Halsabschneidern von Canal+. Sicher ist diese Öffnung des Kanals vor der Primetime auch aus strategischer Sicht und vor dem Hintergrund des Audience-Flow ein kluger Schachzug, aber das steht auf einem anderen Blatt. Wir wollten ja über das Format sprechen.

Le Grand Journal ist der showlastigere Teil der Sendung, es wird live mit Gästen über Aktuelles diskutiert, Les Guignols de l’info – die Augsburger Puppenkiste der politischen Satire – ziehen Politiker (und Zlatan Ibrahimovic) durch den Kakao, anschließend gibt sich die Crème de la Crème der internationalen Schauspielriege die Klinke in die Hand, bevor die Sendung meistens mit einem aufsehenerregenden musikalischen Liveauftritt endet. Wer sich in Deutschland zwischen Raab und Lanz entscheiden muss, dem fällt die Entscheidung in Frankreich leichter: Le Grand Journal ist aufgrund der attraktiven Zielgruppe (und der Kohle, die der Sender pro Aufritt zahlt) für internationale Gäste nahezu alternativlos. Interessant ist auch der Timeslot der Sendung, denn zeitgleich strahlt die große Konkurrenz von TF1 und France 2 die klassischen Nachrichten aus. Und weil Canal+ nicht auf den Kopf gefallen ist, kommt hier Le Petit Journal ins Spiel.

Le Petit Journal

Das kreative Nachrichtenformat unterbricht das große Journal für circa 20 Minuten und nimmt alles auf die Schippe, was auch nur den geringsten Aktualitätsbezug hat. So bleiben die verhältnismäßig jungen Zuschauer auf dem Laufenden und dürfen sich gleichzeitig amüsieren. Ganz ohne Second Screen!

In Deutschland kommt die heute-show dem Format noch am nächsten, aber der Vergleich hinkt und bei genauerem Hinsehen entpuppt er sich nahezu als Beleidigung für das französische Format. Hier wird die haarsträubende Inkompetenz vieler Politiker gnadenlos aufgedeckt, der Irrsinn der politischen Kosmetik wegretuschiert und jede Menge rhetorischer Fragen gestellt, auf die bedauernswerter Weise dann doch Antworten folgen. Grob gesagt: Aus Politik und Tagesgeschehen wird hier ein Spektakel wie jedes andere.

Und trotzdem wirkt Moderator Yann Barthès dabei nur selten dämlich, denn die meisten Pointen sind nur den Zuschauern zugänglich, die während der letzten Wochen nicht im geistigen Winterschlaf waren. Am Tag danach machen die Enthüllungen von Le Petit Journal regelmäßig von sich reden und sorgen für neue politische Eklats, die am Abend wieder humoristisch verwurstet werden. Ein hochgradig unterhaltsamer Teufelskreis.

Wenn zwei sich streiten …

So, spätestens jetzt wisst Ihr, wie unlustig es ist, ein attraktives Format in Textform vorgestellt zu bekommen. Aber Ihr seid ja selbst Schuld, hättet Ihr in der Schule besser aufgepasst, dann könntet Ihr Euch die Highlights der Sendung selbst anschauen und müsstet euch nicht alles von mir vorkauen lassen. Frisch schmeckt doch alles besser oder nicht?

Das war’s dann auch schon wieder aus der Hauptstadt unseres Nachbarlandes, in dem der Präsident noch das Recht hat sein Volk angemessen zu beleidigen und das Volk Radarfallen abfackelt, wenn der Präsident versucht eine Ökosteuer einzuführen. Aber was soll’s, wenn sich in Frankreich zwei streiten, dann freut sich: Le Petit Journal.

A très bientôt!

La France en bref