Nach Shanghighlights und Taiwahnsinn machten wir uns auf den Weg Richtung Hong Kong. Obwohl uns am Flughafen in Taipeh drei zusätzliche Stunden für die Suche nach einem coolen Hashtag für die letzte Station unserer Medienreise geschenkt wurden (defektes Flugzeug…), wollte uns einfach keiner einfallen, der dieser Wahnsinns-Stadt gerecht geworden wäre:

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#1 Right left right

In Hong Kong über die Straße zu gehen erinnert ein bisschen an London – überall steht auf dem Boden die Anweisung, in welcher Richtung man nach heranbrausenden Taxis Ausschau halten sollte. Besser so, denn hier herrscht Linksverkehr! Ab 1841 war Hong Kong unter britischer Herrschaft und wurde 1997 an die Volksrepublik China übergeben.

 

#2 China ist nicht gleich China

Zwar gehört Hong Kong nun wieder offiziell zu China, hat sich dank der vertraglichen Festschreibung als Sonderverwaltungszone jedoch noch bis 2047 einen Sonderstatus gesichert. Eine weitestgehend unabhängige Regierung, freie Marktwirtschaft und Pressefreiheit sind nur drei der maßgeblichen Unterschiede zur Volksrepublik. Auch das Internet ist hier frei und über die Great Firewall hinaus nutzbar.

 

#3 Occupy Central

Als die chinesische Regierung 2014 beschloss, über ein Komitee die Kandidaten für das Amt des Verwaltungsoberhauptes zu bestimmen und erst dann der freien Wahl durch das Volk zu stellen, formierte sich die bekannte „Umbrella-Bewegung“. Die Demonstranten benutzten gelbe Regenschirme, um sich vor dem Pfefferspray der Polizei zu schützen. Die Aktion verebbte noch bis zum Jahresende 2014 – drei Jahre später ist sie jedoch noch immer heiß diskutiert, besonders in der jungen Generation.

 

#4 Andere Länder, andere Sitten

Sonderverwaltungszone hin oder her, die typischen chinesischen Sitten, die wir euch schon hier beschrieben haben, werden auch in Hong Kong gelebt. Nicht gerade die feine englische Art. An die – sagen wir mal – geräuschvolleren Tischmanieren hatten wir uns nach Shanghai ja schon einigermaßen gewöhnt, aber im Airport Express kamen wir dann an die Grenzen unserer Toleranz: ein Mitfahrer schnitt genüsslich seine Fingernägel, feilte sie dann und verteilte alle Überreste auf dem Boden des Zuges.

 

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#5 Zeitung lesen auf der Arbeit

Wer 12 Stunden täglich arbeitet, der hat außerhalb seiner Arbeitszeiten nicht mehr allzu viel Zeit zum Zeitung lesen, Radio hören oder fernsehen. Das spüren auch Verlage und Radio- und TV-Stationen: die Startup-Zeitung HK01 und der öffentlich-rechtliche Sender RTHK (Radio Television Hong Kong) erzählten uns beide, dass ihre Formate in der Regel während der Geschäftszeiten konsumiert werden.

 

#6 Hohe Lebenshaltungskosten  

Verwöhnt von Shanghai und Taiwan machten wir große Augen, als sich die Preise zahlenmäßig nicht von denen in Taipei unterschieden – mit dem feinen Unterschied, dass wir für die Umrechnung in Euro nicht mehr durch 32, sondern durch 8,5 teilen mussten. Hong Kong ist eine der Städte mit den weltweit höchsten Lebenshaltungskosten; laut DAAD liegen die monatlichen Mieten für ein winziges Zimmer bei 8000 bis 15000 HK$ – das sind 1000 bis 2000 EUR. Wenn wir in Hamburg das nächste Mal auf Wohnungssuche sind, behalten wir diesen Vergleich im Hinterkopf!

 

#7 Living in a cube

In Hong Kong leben über 7 Millionen Menschen auf gerade mal 1104 Quadratkilometern. Zum Vergleich: Das Saarland ist mehr als doppelt so groß und beheimatet nicht ganz eine Millionen Menschen. Spätestens jetzt erklären sich auch die horrenden Mietpreise.

„We’re living in a cube“, fasste unsere Gesprächspartnerin bei RTHK treffend zusammen.

 

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#8 Raus ins Grüne

Insgesamt 263 Inseln zählen zur Sonderverwaltungszone Hong Kong, und so sind wir an unserem vorletzten Tag auf die Fähre gestiegen und auf Lamma Island gefahren. Raus aus den engen Straßen, den Menschenmassen und der stickigen Luft in nur 30 Minuten und rein ins Urlaubsgefühl! Fangfrisches Seafood und Sand zwischen den Füßen war genau das richtige zum Abschluss der Reise.

 

#9 Überdimensionaler Buddha

Auf Lantau Island, der größten aller 263 Inseln der Sonderverwaltungszone, sitzt der zweitgrößte freistehende Buddha der Welt. Der größte sitzt übrigens in Taiwan. Da setzen wir uns doch gern dazu!

 

#10 Mal für zwei Jahre in Hong Kong arbeiten?  

Expats machen fast 5% der Bevölkerung in Hong Kong aus, die meisten von ihnen arbeiten im Finanzsektor. Aus Europa sind vor allem Franzosen und Engländer in der Stadt. Und das merkt man: In der U-Bahn waren wir häufig nicht die einzigen Europäer, wir fanden Supermärkte mit deutschen Produkten in den Regalen und im Stadtteil SOHO muss man sich schon Mühe geben, ein traditionell chinesisches Lokal zu finden.

 

#11 Startup City Hong Kong

Die Anzahl von Startups in Hong Kong ist im internationalen Vergleich noch eher gering, doch genau das will die Verwaltung ändern und investiert immens in die Startup-Förderung. Das konnten wir sehen bei unserem Besuch im Cyberport, einer riesigen Anlage bestehend aus Büro- und Wohnflächen sowie Geschäften des täglichen Bedarfs. Hier arbeiten etablierte Tech-Unternehmen und Startups unter einem Dach. Ein paar Plätze waren noch leer, besonders im Fintech-Bereich. Wer hat eine gute Idee?

 

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#12 20 Minuten lang Rolltreppe fahren

Das ist nur in Hong Kong möglich, denn hier gibt es das längste überdachte außenstehende Rolltreppensystem der Welt. 20 hintereinander gereihte Rolltreppen und 3 Förderbänder überbrücken die 800 Meter Entfernung und 135 Höhenmeter zwischen den Stadtteilen Central und Mid-Levels. Wir haben die Rolltreppe auch ganz gerne mal zum Food-Shopping benutzt: auf der Rolltreppe entspannt an Restaurants vorbeifahren und sichten und wenn eins gefällt einfach aussteigen.

 

#13 Ist virtueller Sport die neue Champions League?

Wenn es nach CNN in Hong Kong geht: ja! Denn der eSports Werbemarkt ist noch nicht erschlossen, und das obwohl die Zielgruppe klassischen Sports immer älter wird und die jüngeren Zuschauer mehr und mehr Interesse an eSports zeigen. Eine eigene eSports Liga inklusive aller Übertragungs- und Vermarktungsrechte und eine gesellschaftliche Etablierung ähnlich Fußball, Football, Basketball und, und und… das ist das Ziel von CNN.

 

Stimmen aus dem Off

 

Malte, was hast Du Dir unter Hong Kong vor Reisebeginn vorgestellt?

Ich hatte keine genauen Vorstellungen, außer Hong Kong als einen Schmelztiegel internationaler Kulturen – mehr als in anderen chinesischen Städten.

Welchen Unternehmensbesuch fandest du am besten?

Der Besuch an der Hong Kong University beim China Media Project hat mir am besten gefallen: Davids Vortrag war sehr interessant und hat meine bisherigen Eindrücke aus Shanghai und Taiwan geschärft.

Dein Highlight und Lowlight?

Ich habe eigentlich nur Highlights: Unser Hotel und der Ausblick aus den Zimmern, das perfekte Wetter an unseren letzten Tagen, gemeinsam mit Einheimischen am Sonntag im Park sitzen, die Architektur und das Stadtbild: beeindruckende Wolkenkratzer, zerfallene Wohnhäuser, alte Taxen, Teslas und kleine Straßenbahnen wechseln sich ab.

Mit welchen Eindrücken hast du Hong Kong verlassen?

Meine Erwartungen an den Schmelztiegel Hong Kong wurden erfüllt. Ich finde die Stadt beeindruckend, landschaftlich und architektonisch sehr sehenswert. Mich hat dieses Gefühl von Überraschung eigentlich nie losgelassen; dass es hier, für uns fast am anderen Ende der Welt, so einen Ort gibt, mit extravagantem Reichtum (so viele Luxusautos!) neben ganz einfachen Wohnblocks und wuseligen Hauptstraßen, in denen Locals neben Expats ihrem Geschäft nachgehen.

IMG_4008Melanie, was hast Du Dir unter Hong Kong vor Reisebeginn vorgestellt?

Ich war persönlich sehr gespannt auf Hong Kong, da ich dort familiäre Wurzeln habe. Ich dachte an eine bunte, internationale und offene Stadt, in der man mit Englisch weit kommt und natürlich gute Dim Sum.

 

Welchen Unternehmensbesuch fandest du am besten?

Unser Besuch beim CNN hat mich inspiriert, auch investigative Journalistin zu werden. Außerdem fand ich spannend, was uns über den Medienkonsum der Hong Konger berichtet wurde.

 

Dein Highlight und Lowlight?

Mein Highlight war der Temple Street Night Market für mich – sehr groß, bunt und typisch chinesisch und ich konnte sogar verhandeln. Mein Lowlight war manch ein Unternehmensbesuch, der anders verlief als ich es mir vorgestellt hatte.

 

Mit welchen Eindrücken hast du Hong Kong verlassen?

Hong Kong ist eine sehr tolle Stadt! Sehr bergig, viele Inseln, nah am Meer, landschaftlich abwechslungsreich. Zwischen den modernen Gebäuden finden sich noch viele ältere, was die Stadt authentisch macht. Die Stadt hat noch viele kleine Ecken, die man mit mehr Zeit entdecken könnte.

 

 

_MG_6392Hanna, was hast Du Dir unter Hong Kong vor Reisebeginn vorgestellt?

Aufgrund der Kolonialzeit stark englisch geprägt und das Finanzzentrum ist weltbekannt. Also ein bisschen wie Singapur, nur größer?!

 

Welchen Unternehmensbesuch fandest du am besten?

Der Besuch bei CNN hat mich nachhaltig beschäftigt. Die Turner/CNN Mitarbeiter haben so leidenschaftlich von ihrer Arbeit gesprochen, dass man das Bedürfnis bekommen hat da sofort mitzumachen, wobei ich eine Kriegs- oder Katastrophenreportage doch nicht unbedingt mitnehmen muss, um es mal erlebt zu haben.

 

Dein Highlight und Lowlight?

Mein Highlight war ein Abendspaziergang (nach dem besten Dim Sum – Essen), der nur zu den Escalators gehen sollte und sich dann immer weiter ausdehnte bis wir am Hafen saßen. Irgendwie landeten wir dann am Ende des Abends noch auf der Geburtstagsfeier von Pascal in einer Karaoke Bar.

Lowlight war leider, dass ich einen Tag krankheitsbedingt ausfallen lassen musste. Dank des Skyline-/Hafen-Ausblicks vom Hotelbett gings mir dann aber auch ganz schnell wieder besser.

 

Mit welchen Eindrücken hast du Hong Kong verlassen?

Ich habe mich in Hong Kong sofort wohlgefühlt! Beijing braucht das Finanzzentrum Hong Kongs und gewährt den Hongkongern sehr viel mehr Freiheiten, trotz der immer stärker werdenden Einflussnahme Beijings. Da auch noch Google Maps funktioniert hat und an jeder Straßenecke Wegschilder standen, konnte mich in Hong Kong nicht mal mein Orientierungssinn betrügen.