Eine neue Sprache, vier Länder, 30 Orte, unzählige Momente  – das ist meine Bilanz nach vier Monaten in Pamplona Ende 2017.

 

Traditionell bietet sich im fünften Trimester die Möglichkeit ins Ausland zu gehen. Für mein Erasmustrimester verschlug es mich auf die iberische Halbinsel, ins Baskenland mit seiner faszinierenden Sprache und bewegten Geschichte. Zum einen war und ist meine Gast-Uni, die Universidad de Navarra, eine der besten Universitäten des Landes. Zum anderen war ich bis dato noch nie in Spanien (schwer vorstellbar, aber wahr) und ich wollte die Gelegenheit nutzen und Spanisch lernen.

 

Pamplona selbst ist die Hauptstadt der autonomen Region Navarra und liegt im Norden Spaniens. Die Ursprünge von Stadt und Provinz reichen bis in die Zeit der Römer zurück. Kulturell bildet die Region, die an der Grenze zu Frankreich liegt, eineder sieben Provinzen des Baskenlandes. Diese Zugehörigkeit zur baskischen Kultur merkt man auch im Alltag. Beispielsweise sind alle Beschilderungen zweisprachig, auf Spanisch und Baskisch. Außerdem gibt es zahlreiche Feste und Veranstaltungen, die die Kultur zelebrieren. So trifft man sich zum Beispiel einmal im Monat (meist am ersten Samstag) zum Liedertreffen in der Innenstadt, bei dem man dann gemeinsam durch die Straßen zieht und baskische Lieder singt. Durch Zufall bin ich einmal mit einer Freundin dazu gestoßen und wir haben gleich mitgemacht.

Die Stadt hat ungefähr 200.000 Einwohner und ist damit viel kleiner als Hamburg. Neben der privaten Universidad de Navarra gibt es in der Stadt außerdem noch die öffentliche Universidad Publica de Navarra. Für die Zeit habe ich mich dort aber ganz wohl gefühlt, denn alles ist fußläufig zu erreichen bzw. ist der Nahverkehr ganz gut ausgebaut, verhältnismäßig günstig und kommt auch pünktlich. Außerdem lag meine Wohnung genau auf halber Strecke zwischen der Uni und der Innenstadt sowie überraschend dicht an einigen der bekanntesten Clubs. Pamplonas Innen- bzw. Altstadt ist sehr hübsch und hat viele historische und sehenswerte Gebäude. Donnerstags trifft man sich zum „Juevintxo“ in den zahlreichen Bars um den zentralen Platz „Plaza de Castillo“, zu Häppchen und alkoholischen Getränken. Die Bezeichnung ist ein Zusammenschluss aus dem spanischen Wort für Donnerstag ‚jueves‘ und ‚pintxo‘, der baskischen Schreibweise für Pincho, die nordspanische Version der Tapas. Des Weiteren wird das Stadtbild durch eine mächtige Festungsanlage, die „Ciudadela“ und den dazugehörigen Park geprägt und zusätzlich verläuft auch der berühmte Jakobsweg direkt durch die Stadt und an der Universität vorbei. Auf meinem täglichen Weg von und zur Uni bin ich also auch immer ein bisschen gepilgert.

 

Unterhalb des Stadtteils Iturrama, der direkt an die Festung grenzt, liegt der weitläufige Campus der Universidad de Navarra. Dort finden sich großzügige Rasenflächen, Parkanlagen und moderne Gebäude, die von bekannten Architekten entworfen wurden. Da ich anfangs kein Spanisch sprach, habe ich nur Kurse auf Englisch belegt. Im Uni-Alltag bin ich dann auch schnell an meine sprachlichen Grenzen gestoßen, da z.B. das Personal in der Bibliothek sowie an den Eingängen kaum Englisch sprach. Zum Glück konnte ich mich aber auf meine Freunde und Mitbewohnerinnen verlassen, bis ich mich dann selbst verständigen konnte. Meine Kurswahl hatte sich insgesamt als etwas schwierig herausgestellt, da es sich nach einigen Verzögerungen seitens der Uni vor Ort dann herausstellte, dass den Großteil meiner gewünschten Fächer doch nicht belegen konnte. Letztendlich habe ich mich dann vor allem auch auf das Spanischlernen konzentriert. Die Qualität der Kurse war insgesamt in Ordnung. Allerdings ist an dieser Stelle auch festzuhalten, dass ich nur Bachelorkurse belegen konnte, was eine Festlegung seitens der Uni war. Sämtliche Dozenten waren überaus freundlich und hilfsbereit, ich habe mich dort sehr gut aufgehoben gefühlt.

 

Darüber hinaus gab es an der Uni zahlreiche Initiativen und (Sport-) Clubs, denen man sich anschließen konnte. Außerdem gibt es auch eine universitätsübergreifende Studentenorganisation, die Erasmus-Veranstaltungen sowohl für die private, als auch öffentliche Universität in Pamplona organisieren. Während meines Aufenthaltes habe ich viel mit dem studentischen „Club Español“ unternommen, der Aktivitäten wie Ausflüge und Parties für die Erasmus-Studenten organisiert hat. So gab es z.B. jeden Mittwochvormittag ein Treffen, bei dem man zu Kaffee und Keksen mit anderen Studenten Spanisch üben konnte. Ansonsten gibt es in Pamplona einige Clubs wie das „Canalla“, „Valentinos“ oder „Subsuelo“, die besonders von Studenten besucht werden und wo eigentlich jede Woche etwas los ist. Darüber hinaus habe ich versucht so viel wie möglich zu reisen und Spanien sowie das Baskenland kennenzulernen. Während des Semesters habe ich vor allem Tages- und Wochenendausflüge zu allen möglichen Orten innerhalb und außerhalb Navarras unternommen. Navarra selbst hat eine recht vielfältige Natur, von den bewaldeten Ausläufern der Pyrenäen im Norden bis hin zu wüstenartigen Landstrichen im Süden.

 

Im Dezember, während der Prüfungszeit, hatte ich das Glück, dass ich bereits ziemlich zu Anfang des Monats mit allem fertig war. Daraufhin habe ich dann gemeinsam mit ein paar Freunden einen Road Trip entlang der nordspanischen Atlantikküste und bis hinunter nach Portugal gemacht. Stationen waren dabei unter anderem Santander, A Coruña, Fisterra (der westlichste Punkt Spaniens) Santiago de Compostela, Porto und Salamanca. Nach einigen Tagen Pause habe ich mir dann auch noch einen persönlichen Traum erfüllt und bin gemeinsam mit einer Freundin auf ein kleines Abenteuer nach Andorra aufgebrochen. Das kleine Land ist eigentlich nur über Landstraßen zu erreichen und es gab keine direkte Verbindung von Pamplona aus. Das hieß für uns +5 Stunden Bus- und Taxifahrt, die sich allerdings sehr gelohnt haben. Die Hauptstadt Andorra la Vella ist sehr klein, aber dafür umso niedlicher. Außerdem gibt es dort zahllose Geschäfte, die alles von Kosmetik bis hin zu Technik günstiger als in den Nachbarländern anbieten, sodass die Stadt fast wie ein großer ‚Duty-free-Shop‘ anmutet (Ach, und es gab überall kostenloses WLAN). Ein weiterer Pluspunkt dieser Reisen war es, dass ich  dann auch gleich meine neu gelernten Spanischkenntnisse anwenden konnte und musste. Zum Schluss konnte ich mich problemlos verständigen.

Insgesamt kann ich sagen, dass das Erasmus-Semester die richtige Entscheidung war! Abgesehen von der spanischen und baskischen Kultur in die ich eintauchen und den zahllosen neuen Eindrücken, Orten und tollen Leuten die ich kennenlernen durfte, konnte ich die Zeit auch wirklich nutzen, um die Zeit an der HMS zu reflektieren. Während meines ‚Exils auf Zeit‘ sind mir viele Dinge deutlich klarer geworden und von daher bin ich gespannt wie verbleibende Zeit an der HMS wird und freue mich drauf, die nächsten Schritte meiner Karriere anzugehen. Außerdem habe ich mich wirklich ein wenig in das Baskenland verliebt. Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch.