Liebe Presse,

Manche beschimpfen dich als „Lügenpresse“. Andere verklagen dich, weil du sie unschön darstellst oder versuchen, dich mundtot zu machen. Ich hingegen preise dich. Der Informationsfluss ist ohne dich eher ein Informationsgeplätscher. Und ohne dich sehen wir nur den Landstrich der Welt, den wir uns selbst erschlossen haben.

 

Lieber Journalist,

Auch du wirst beschimpft, riskierst teilweise dein Leben und wirst dort vertrieben, wo lieber niemand so genau hinsehen soll. Aber ich preise dich. Du bist das Sprachrohr, welches unsere Stimmen laut und hörbar macht. Du scheust dich nicht, auszusprechen, was dir verboten werden soll zu sagen. Du weist auf Missstände hin und gibst uns Informationen, die wir ohne dich nicht hätten.

 

Liebe Fotografin,

Dein Fach wird unterschätzt, teilweise dein Equipment zerstört und du somit arbeitsunfähig gemacht. Ich aber preise dich. Denn ein Bild kann uns dorthin transportieren, wo wir keinen Zugang haben. Was du mit deiner Linse einfängst, weckt in uns Emotionen und gibt uns Perspektiven, die wir ohne dich nicht einnehmen könnten.

 

Liebes soziales Netzwerk,

Du hast einen schlechten Ruf, wenn es um Datenschutz geht und wirst dafür verantwortlich gemacht, dass im öffentlichen Raum Menschen lieber auf ihr Smartphone schauen als in andere Gesichter. Du wirst blockiert, verboten und geschmäht. Aber ich preise dich. Du multiplizierst die Informationen der Presse und machst es uns möglich, anderer Menschen Blicke auf ein bestimmtes Thema zu lenken. Und dort wo die Presse erfolgreich niedergeschlagen wurde, bietest du eine Quelle, die den Informationsfluss vom Versiegen bewahrt.

 

Liebe Presse- und Meinungsfreiheit,

Dich gibt es nicht überall. Du wirst oftmals mit Füßen getreten oder sich mit deinen Federn geschmückt, wo du nicht anwesend bist. Ich habe soeben die ausführenden Instanzen gelobt, aber du bist es, die im Kern die größte Dankbarkeit verdient. Ich preise dich. Du machst den Informationsfluss möglich und reißt Dämme ein, die ihn aufhalten sollen.

 

Ich richte an dich ein paar mehr Worte, denn ich wünsche mir von dir so viel mehr! Bitte kehre auch dort ein, wo du bisher noch nicht oder lange nicht mehr warst. Sie brauchen dich. Lass dich nicht unterkriegen und gib den ausführenden Instanzen die Kraft, ihre Arbeit zu tun. Wie wichtig du bist, wird mir immer bewusster und ich verspreche dir, ich werde dich unterstützen so gut ich kann!

 

 

 

 

Hintergrund:

Alle die Medien beeinflussenden Faktoren sind Gegenstand unseres Studiums -und natürlich auch meines beruflichen Weitergangs. Ein Auge auf Trends zu haben, ist somit unumgänglich. Dieses Thema treibt mich aber (wie bestimmt im Text erkennbar) auch persönlich um.

 

Vier Jahre habe ich in meiner Wahlheimat Burundi, im Osten Afrikas verbracht und plane, nach meinem MBA, dorthin zurückzukehren. Interessanterweise habe ich gerade dort mehr über Medien gelernt, als ich je dachte. Nicht nur, dass dort das Radio –welches bei uns eher mal so im Hintergrund dudelt- aufgrund sozioökonomischer und infrastruktureller Gegebenheiten als wichtigstes Medium gilt, sondern auch, welch starken Einfluss Medien auf Politik ausüben.

 

Seit Anfang dieses Jahres  wird in Burundi die Presse- und Meinungsfreiheit mit Füßen getreten, um politische Ziele zu verwirklichen (hier eine Zusammenfassung der politischen Hintergründe durch die Tagesschau). Nachdem die bekanntesten und einflussreichsten regierungsfernen Radiosender über Nacht zerstört und das Pressehaus vorübergehend geschlossen wurde,  sind Twitter und Facebook dort zu essentiellen Informationsquellen für mich und diejenigen, die einen Internetzugang besitzen (das sind sehr wenige!) herangewachsen. Journalisten haben sich neu vereinigt und schreiben unter dem Pseudonym „Sos Médias Burundi“ auf Facebook und Twitter. Mich hat besonders erschrocken, wie schnell ein Land mit relativ hoher Pressefreiheit zu einem repressiven und diktatorischen Staat werden kann. Und ich empfinde tiefste Bewunderung für all diejenigen Journalisten, die unter lebensbedrohlichen Umständen weiter über Missstände in ihrem Land berichten.

 

Courage, mes amis!