Private Universitäten und Hochschulen in Deutschland genießen einen ziemlich schlechten Ruf. Böse Zungen würden behaupten, dass dort nur kleine Plastikpüppchen und Plastikmännchen hingehen, deren Abiturnoten zu schlecht für eine „normale“ Uni waren, die aber das Glück haben, dass Papis Geldbörse rein größentechnisch vergleichbar mit dem Vakuum in ihren Köpfen ist. Da das Abschlusszeugnis am Ende des Studiums quasi nur der Papierquittung für die getätigten Investitionen gleichkommt, spielt Lernerfolg keine Rolle. Viel wichtiger dagegen ist, dass man jeden Tag mit der Mercedes S-Klasse vorfährt und nur die allerneuesten Designer-Handtaschen spazieren trägt.

 

Ich gebe zu, ich habe die obigen Zeilen sehr überspitzt formuliert, aber ich lüge, wenn ich behaupte, dass ich den ein oder anderen Gedanken nicht auch schon gehabt hätte. Insbesondere der letzte Punkt: Das zur Schau tragen von Status-Symbolen und der mögliche Ausschluss aus der Gruppe, wenn ich mir solche Symbole nicht leisten kann, waren eine große Angst, als ich mich für das Studium an sich schon längst entschlossen hatte.

 

Aber ich greife viel zu weit vor, also ganz von vorne: Ich habe 2015 meinen Bachelor in Sozialwissenschaften (Politik, Soziologie und Kommunikations- und Medienwissenschaft) mit dem Schwerpunkt auf Kommunikations- und Medienwissenschaft gemacht und habe dann ein Jahr als Praktikantin im Marketing-Bereich in zwei verschiedenen Unternehmen verbracht. Mein Bachelor-Studium ist sehr forschungsorientiert aufgebaut gewesen, daher wollte ich im Master unbedingt praxisnäher ausgebildet werden. Außerdem fiel beim gelegentlichen Durchstöbern von Stellenanzeigen auf, dass es mir definitiv an betriebswirtschaftlichen Kenntnissen mangelte. Dass es die Studienrichtung „Medienmanagement“ werden sollte, stand daher sehr schnell fest, die große Frage war nur: An welcher Universität?

 

Ich wollte kein Privatstudium, das war selbstredend klar. Als sogenanntes „Arbeiterkind“ und als Erste mit Abitur in der Familie, hatte ich mich an einer „normalen“ Universität schon fremd gefühlt, nicht auszumalen, wie das an einer Privatuni wäre. Ganz zu schweigen davon, dass ich das nötige Geld sowieso nirgendwo würde herzaubern können. Wenn ich die Studiengangs-Datenbanken im Internet durchforstete, war ich regelrecht genervt von den Privatstudiengängen in den Suchergebnissen und suchte meist vergeblich nach einem Häkchen, um sie von vorneherein herauszufiltern.

 

Die Hamburg Media School bietet zahlreiche Finanzierungsmöglichkeiten.

Die Hamburg Media School bietet zahlreiche Finanzierungsmöglichkeiten.

Dass eine Hamburg Media School existiert und dass sie einen Studiengang „Medienmanagement“ anbietet, darauf bin ich durch einen absoluten Zufall im Praktikum aufmerksam geworden. Und nach einem neugierigen Blick auf die Homepage war ich von dem Studiengang vollkommen überzeugt. Einziger Wehrmutstropfen: 25.000 € Studiengebühr. Ich war mir daher sicher, dass ich dieses Studium niemals würde antreten können und schickte trotzdem eine Bewerbung ab, ganz nach dem Motto: „Versuch macht klug“ oder auch „Fragen kostet nichts“. Mit der gleichen Einstellung bin ich dann ins Assessment Center gegangen: „Ich werde das zwar niemals finanzieren können, aber ich kann ein wenig Assessment Center Erfahrung sammeln und das wird später in beruflicher Hinsicht sicher noch nützlich sein.“

 

Als ich am Ende des Tages von meiner besseren Hälfte abgeholt wurde, staunte der nicht schlecht. Ich hatte die Wohnung in einer unbekümmerten „Och-ich-schau-mal-wie-es-so-da-ist-da-kann-ich-ohnehin-nicht-hin“-Laune verlassen und stieg ins Auto mit der absoluten Gewissheit: „Wenn ich da nicht hingehe, werde ich es mein Leben lang bereuen, ich weiß das!“

 

Natürlich lagen mir die 25.000 € noch immer schwer im Magen, schön an der Hamburg Media School ist jedoch, dass alle total bemüht und verständnisvoll sind. Einmal die Sorgen angesprochen, werden einem sofort die verschiedensten Stipendien und Finanzierungsmöglichkeiten erläutert. Es gibt Unternehmensstipendien und HMS-Stipendien, die nach Bedürftigkeit vergeben werden, außerdem kann ich das Studium im Nachhinein abbezahlen. Da die Hamburg Media School mit der Universität Hamburg kooperiert, ist die Beantragung von BaföG möglich. Während des Studiums, das wegen seines unsteten und recht vollen Stundenplans, wenig Möglichkeiten für Nebenjobs außerhalb gibt, kann man an der HMS Hilfskrafttätigkeiten nachgehen. Die Hamburg Media School bot mir also die verschiedensten Finanzierungsmöglichkeiten an und wie man so schön sagt: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Und ich wollte unbedingt!

 

Blieb nur noch meine oben bereits angesprochene Angst davor, dass meine Kommilitonen und ich in so verschiedenen Welten leben würden, dass wir keine gemeinsamen Interessen oder Gesprächsthemen finden würden. Dem ist Gott sei Dank nicht so. Natürlich sind Personen mit einem Hintergrund wie dem meinen nicht in der Überzahl, aber es finden sich die verschiedensten Typen von Menschen mit den verschiedensten Interessen und Erfahrungen. Außerdem darf man nicht vergessen, dass wir MEDIENmanagement studieren. Wenn man hier keine Personen findet, die die Lieblingsserien genauso gern „suchten“, wie man selber, wo dann?

 

Nach Abschluss des ersten Trimesters kann ich außerdem nur betonen, dass sich der finanzielle Aufwand für das Studium mehr als lohnt. Die Inhalte sind sehr anspruchsvoll und die Dozenten äußerst motiviert und interessiert an unserem Lernerfolg. Es ist ein furchtbar anstrengendes und gleichzeitig absolut aufbauendes und erfreuliches Studium, das mich jeden Tag persönlich und fachlich voranbringt. Ich würde heute genauso entscheiden, wie ich es vor einem halben Jahr getan habe, denn im Endeffekt ist es so, wie Ella Fitzgerald mal gesagt hat: „Es kommt nicht darauf an, wo Du herkommst, es kommt darauf an, wo Du hingehst.“