Die zweite Woche bricht an und so langsam gewöhnen sich Körper und Geist an das quirlige Getümmel, die schwatzenden Menschenmassen, den Geruch von Meerestieren und die knallbunten Leuchtreklamen. Trotz der unlesbaren Straßennamen, finden wir uns mittlerweile zurecht, besuchen all abendlich unsere japanischen Stammkneipen um die Ecke und hantieren nicht mehr ganz so ungekonnt mit den Chop Sticks. Jeden Tag wuseln wir durch die Stadt und besuchen interessante Medienunternehmen, die uns einerseits einen einmaligen Einblick in die Medienlandschaft des Landes gewähren, andererseits aber auch beeindruckende und gleichzeitig befremdliche Dinge über die Menschen hier erzählen.

 

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So besuchen wir unter anderem die Waseda Universität, wo wir das StartUp Nicebot kennen lernen, ein Unternehmen aus dem Markt, für den Japan wohl am bekanntesten ist, Roboter. Ein interdisziplinäres Team entwickelt hier die Roboter der Zukunft. Ihre Vision: Mensch und Roboter arbeiten in Zukunft Hand in Hand, machen die Arbeit smarter und effizienter und unser Leben dadurch lebenswerter. Nicebot ist ein 16 kg schwerer, maximal beweglicher Arm, der alle Bewegungen, die man mit ihm ausführt exakt repliziert und nachahmt. Die Maschine kann uns Menschen so bestimmte Arbeitsabläufe abnehmen und ist in der Handhabung erstaunlich intuitiv. Die eigentliche Innovation von Nicebot ist allerdings die hoch sensible, flexible Haut, die sich über die Elektronik spannt. Diese ist in der Lage menschliche Haut zu spüren und darauf zu reagieren. So ist das Verletzungsrisiko deutlich verringert. Ein Problem, das alle Wettbewerber haben und ein Kriterium, das für die Zielgruppe höchste Priorität hat. Der Prototyp soll 2018 zuerst an die Early Adopter, die „Research Labs“ verkauft werden und etwas später den Verbrauchermarkt erobern und damit profitabel werden. Der kalkulierte Preis liegt bei etwa 50.000€. Der robot ist im Gegensatz zum Menschen allerdings 24 Stunden pro Tag einsetzbar, braucht keinen Urlaub, beschwert sich nicht über Arbeitsbedingungen oder beantragt Mutterschaftsurlaub. Soweit die Theorie. Als wir dann allerdings vor dem Roboter stehen, ist das auf der einen Seite zwar sehr beeindruckend, auf der anderen Seite löst es aber auch die Angst vor einer fremdbestimmten, mechanischen Zukunft aus. Ein Szenario mit bisher vielen Unbekannten.

 

Ein weiterer interessanter Unternehmensbesuch ist das Media Lab von Asahi Shimbu. Es ist das erste inhouse finanzierte „Innovation Office“ im japanischen Zeitungsmarkt und ist mit 40 Leuten aus dem Editorial- und Advertisement-Bereich eines der größten des Landes. Die Zeitung selbst ist einer der Marktführer Tokyos. Das Media Lab betreut im Moment 30 Projekte, die sich selbst monetarisieren sollen. So gibt es ein umfangreiches Projekt, bei dem Start Ups gegründet und begleitet werden. Ein weiteres Projekt ist „Sippo“, eine Haustier Webseite, die bei der Haustier-vernarrten Bevölkerung für Begeisterung sorgt und mittlerweile die bekannteste Japans ist. Ein weiteres erwähnenswertes Projekt ist eine App, die Zeitungsartikel automatisiert vorliest. Eine Funktion, die insbesondere in Tokyo, in der ca. 2/3 der arbeitenden Bevölkerung täglich mit öffentlichem Nahverkehr in die Stadt pendeln, Sinn macht.

Wir bleiben gespannt was uns weiterhin erwartet!