Ob es am Jetlag lag oder an der Stadt: Shanghai und damit repräsentativ China war für viele von uns zu vollgestopft, zu laut, zu alles. Willkommene Ablenkung war daher Taipeh, kleiner, leiser und übersichtlicher. Dass wir uns in China überwacht fühlten, kein Facebook, Instagram oder Google nutzen konnten, mag zu dem allgemeinen Unwohlsein beigetragen haben. Manche bezeichneten es allerdings auch als wohltuende Fastenkur von amerikanischen Internetkonzernen.


Fasziniert von der Skyline, beeindruckt vom leckeren Essen und überwältigt von vielen spannenden Unternehmensbesuchen, konnte uns das nicht lange stören. Benebelt vom ständigen Smog und dem Gefühl der stetigen Überwachung, tauschten wir uns mit in Shanghai lebenden Deutschen aus. Unterschiedlicher konnten unsere Landsleute die Stadt nicht wahrnehmen. Die Wirtschaftsredakteurin, die im System lebt, es hinterfragt und uns alle am letzten Shanghai-Abend noch mal ordentlich ans Denken gebracht hat oder der junge erfolgreiche Manager, der außerhalb von Shanghai arbeitet, sich wohlfühlt, die Großstadt liebt und gerne unterwegs ist um die abendlichen Lichter zu genießen. Zwei unterschiedliche Charaktere und zwei so unterschiedliche Beweggründe in der chinesischen Großstadt zu leben und zu arbeiten.

Das Gefühl von Zensur, unterirdischen Lebensbedingungen und überfüllten Hochhäusern stieg uns zu Kopf. Wir haben uns gefreut, nach fünf Tagen Smog wieder die Hand vor unseren Augen sehen zu können. In Taipeh gelandet konnten wir uns am Wochenende erstmal erholen: Der Nachtmarkt von Taipeh, der Nationalpark Jufien und der Teeberg in Maokong erdeten uns und ließen die ersten Eindrücke der Woche in Shanghai sacken.

Rein subjektiv und im geheimen haben wir uns Taiwan gegenseitig als “China in geil” vorgestellt. Angefangen mit der hoteleigenen Dachterasse, die 24/7 auf uns wartete, statt um 24h geschlossen zu werden, wie in Shanghai, über die Essenspreise bis hin zum gratis Frühstück im Hotel, waren wir mehrheitlich von Taiwan und besonders Taipeh ganz besonders angetan.

Objektiv haben die große Schwester China am Festland und die kleine Tochter im pazifischen Ozean jedoch weitaus mehr Unterschiede und ein eher kompliziertes Verhältnis. Peking hält an der “Ein-China-Politik” fest. Dass kein geringerer als Donald Trump den kleinen Inselstaat Taiwan, der seit 1979 von Washington als China zugehörig akzeptiert wurde, nun doch als eigenständig ansehen könnte, gefällt der Regierung in Peking gar nicht. Die chinesische Regierung reagierte bisher recht diplomatisch und verwies zunächst auf die Unerfahrenheit des neuen Präsidenten in politisch- internationalen Beziehungen – schon fast sympathisch. Wie lange Peking diesen Polit-Faux-Pas ignorieren kann bleibt offen.
Die Präsidentin Taiwans hatte sich mit dem Versprechen, Taiwan wieder unabhängiger vom Festland zu machen, als Repräsentantin für die Demokratische Fortschrittspartei zur Wahl gestellt.
Nicht nur militärisch droht die Mutter der Tochter stetig, auch wirtschaftlich ist Taiwan von China als wichtigsten Handelspartner abhängig. Taiwan selbst hat keinen Sitz in der UN oder anderen internationalen Gremien, sodass die Regierung sich immer mit ihrem chinesischen Pendant austauschen und um Erlaubnis bitten muss, teilnehmen zu dürfen oder sich in anderer Form in Debatten einzubringen. Weitere Unterschiede zwischen China und Taiwan konnten wir in den Bereichen Verkehr und Essen feststellen.

TRAFFIC

Einfach gehen, sonst kommen wir nie rüber; die Devise in Shanghai. Und immer alle Augen auf, damit kein E-Roller über die Füße fährt. Der Verkehr ist laut und unübersichtlich. Die breiten Straßen und vielen Baustellen führen dazu, dass wir oft lange Umwege gehen mussten, um auf die andere Straßenseite zu kommen. Die überfüllten Straßen, ob rushhour oder nicht, die vollen Metros und Busse vermittelten den Eindruck, dass die Infrastruktur mehr als nur überlastet ist.
Ganz anders gestaltete es sich in Taipeh: bei grün kannst Du gehen, bei rot bleibst Du stehen. Klingt sehr deutsch, ist aber so. Nicht nur die Straßen wirkten aufgeräumter und sauberer, auch die Luft war nicht so verschmutzt wie wir es aus Shanghai kannten.

FOOD

In Shanghai erwartete uns mehr als nur Hähnchen süß sauer: die große Vielfalt von chinesischen Spezialitäten reicht von der Küste bis hin zum tiefsten Hinterland Chinas. Dim Sum oder Sichuan, Dumplings generell aber auch Hot Pot sowie alles essbare – Hauptsache frittiert. Ob auf Märkten, Straßenständen oder Malls, in China wird chinesisch gegessen.
In Taipeh konnten wir direkt am ersten Abend auf dem nächtlichen Foodmarket auskundschaften, welche Einflüsse Taiwan kulinarisch in den letzten Jahren bereicherten. Einflüsse aus Japan, Thailand oder Korea sowie vielen weiteren asiatischen Staaten bereichern die Kultur noch heute. Doch in Taiwan gibt es auch ganz eigene Spezialitäten: Milk Bubble Tea oder Coffin Bread zum Beispiel.

Beide Städte haben uns auf unserer Reise, jede auf ihre Art, verzaubert. Besonders der Kontrast zwischen den beiden Systemen und Kulturen hat die Tage auf dem Festland und der Insel unvergesslich gemacht. Bleibt jetzt zu beobachten, wie sich “unsere” neue Lieblingsinsel im internationalen Politik Ballett in Zukunft schlagen wird.