MM18 hat die letzten Praxisprojekte absolviert und auch dieses Trimester durften wir uns wieder mit einigen interessanten Themen und Auftraggebern beschäftigen. Darunter nicht zuletzt die Tagesschau mit der Fragestellung, ob sich ein Auftritt auf Snapchat lohnt oder nicht.

 

Snapchat und die Tagesschau? Diese Kombi scheint auf den ersten Blick so überhaupt nicht zueinander zu passen. Auf der einen Seite die am 26. Dezember 1952 das erste Mal ausgestrahlte und journalistisch qualitativ sehr hochwertige Hauptnachrichtensendung Deutschlands, auf der anderen Seite die Social-Media-Plattform, die auch für die ein oder anderen nicht so öffentlich-machbaren Bilder bekannt ist…

 

Nichtsdestotrotz hat sich Snapchat mit dem 2015 eingeführten Discover-Bereich auch für Medienunternehmen attraktiv gemacht. Die, dort in Form von Stories aufbereiteten, redaktionellen Inhalte von Medienpartnern sollen die junge Zielgruppe erreichen, denn immerhin sind 79 Prozent der Snapchat-Nutzer zwischen 14 und 29 Jahren alt. Das bietet ein attraktives Werbeumfeld und hat bereits Spiegel Online, Bild und die Bunte angezogen.

 

Wenn auch nicht zu Werbezwecken, so ist die Ansprache der jungen Zielgruppe auch für die Tagesschau extrem wichtig. Neben der Erfüllung des Grundversorgungsauftrages der öffentlich-rechtlichen Sender, geht es nicht zuletzt auch um eine zukunftsorientierte und nachhaltige Aufstellung der Sendung.

 

Und das macht die Tagesschau bisher grundsätzlich sehr gut. Die Plattformen Facebook, Instagram, Twitter und YouTube erfreuen sich hoher Follower-Zahlen, die Auftritte selber sind ansprechend umgesetzt. Daneben, ohne Tagesschau-Branding, wurde der Chatbot „Novi“ für den Facebook-Messenger entwickelt. Abonnenten erhalten hier zweimal täglich ein kurzes prägnantes Briefing mit den aktuellen News und das in hohem Maße zielgruppengerecht aufbereitet mit Bildern, Videos und GIFs. Sollte die Tagesschau dieses Portfolio mit einem Snapchat-Auftritt auf Discover ergänzen?

 

Besuch bei der Tagesschau

Team Tagesschau zu Besuch bei der ARD

 

Nach drei Monaten intensiver Recherche, einem Redaktionsbesuch, vielen internen sowie externen Experteninterviews und sehr vielen Diskussionen innerhalb des Teams, sagen wir: zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu empfehlen. Mit Snapchat könnte die Tagesschau zwar ein paar junge Nutzer gewinnen, die ausschließlich auf dieser Plattform unterwegs sind und somit eine Versorgungslücke schließen, der Aufwand dafür ist aber unverhältnismäßig groß: Neben der Gebühr für einen Auftritt bei Discover bedeutet die Einarbeitung in das Format der Stories und die Pflege der sehr aktiven Community großen Aufwand. Dazu kommt die derzeit alarmierende Situation des Unternehmens selber. Snapchat kämpft mit starkem Wertverlust. Innovationen und Features werden von Instagram kopiert.

 

Was Snapchat kann, kann Instagram schon lange und besser! Die Einführung von Instagram TV spricht eine deutliche Sprache: Wer eine junge Zielgruppe erreichen möchte (immerhin sind 67 Prozent der Instagram-Nutzer zwischen 14 und 29 Jahren alt), der engagiert sich auf Instagram. Das ist für die Tagesschau mit 236.000 Followern nichts Neues. Wie man dort Stories ansprechend und erfolgreich aufbereitet, allerdings schon. Da hilft es, dass wir im zweiten Teil unseres Projektes sieben Erfolgsfaktoren herausarbeiten konnten, mit denen sich die Tagesschau besten Gewissens auch in diese bisher unbekannte Gefilde wagen kann.

 

Denn, wie unsere Experten bestätigen konnten, sind Stories ein Format, das in der Zukunft auch unabhängig von Social Media und genauso in älteren Zielgruppen erfolgversprechend ist.

 

Abschließendes Fazit: Snapchat: nay, Stories: yay und für die Tagesschau: Ordentlich in das Format einfuchsen!