Internet und Digitalisierung stellen Unternehmen täglich vor neue Herausforderungen. Das gilt insbesondere für die Internetaktivitäten von Zeitungen und Zeitschriften, denn die Leser zeigen hier, anders als im Printbereich, wenig Bereitschaft, für die Inhalte zu zahlen. Im Gastgespräch mit Enrique Tarragona konnten wir solchen und vielen weiteren Themen auf den Grund gehen.

 

Enrique Tarragona ist Geschäftsführer für Marketing & Vertrieb bei Zeit Online, seit 2008 im Unternehmen und damit Experte im Bereich des Geschäftsmodells „Online-Journalismus“. Da klingt es fast unglaublich, dass er seine ersten Hausarbeiten in seinem Studium der Philosophie, Psychologie und Marketing noch auf einer elektrischen Schreibmaschine geschrieben hat. Erst bei seiner Magister-Arbeit kam schließlich auch der Computer zum Einsatz.

 

Seither hat sich im Bereich der technischen Möglichkeiten und somit auch bei den online Aktivitäten der Zeit einiges getan. Im Jahre 1996 gegründet, musste Zeit Online erst einmal lernen, dass eine Website anders funktioniert als ein Print-Produkt und dass das Internet etwas anderes ist als ein Branchenverzeichnis. 2008 folgte endlich die komplette Neuauflegung der Website und aus einer Seite, aus deren Reichweitenzahlen man noch den Erscheinungstag der Ausgabe ablesen konnte, wurde eine klassische, moderne und responsive Nachrichtenwebsite. Ein erneuter Relaunch folgte 2015: Eine Website muss mit dem Wandel der Technik und des Publikums mithalten können.

 

Gastgespräch an der Hamburg Media School mit dem Gast Enrique Tarragona

Zu Gast an der Hamburg Media School: Enrique Tarragona, Geschäftsführer Marketing & Vertrieb bei der Zeit

 

Für Tarragona ist klar, dass eine Online-Redaktion anders arbeiten muss als eine Print-Redaktion, dabei gebe es keinen besseren und keinen schlechteren Journalismus, sondern einfach grundverschiedene Anforderungen, die ihrerseits grundverschiedene Arbeitsweisen verlangen. Für Zeit Online ist eine dieser Anforderungen ihre Community, die sie, anders als viele andere Titel, noch nicht nach Facebook ausgelagert haben, sondern intern pflegen. Hier müssen Diskussionen moderiert und gesteuert werden, und zwar mit einer Kommentaranzahl, die pro Tag die 10.000er-Marke knackt. Zeit Online betreibt diesen Aufwand, um nahen Kontakt zum Kunden zu behalten. Das sei einerseits unabdingbar für das Geschäftsmodell im online Bereich, andererseits, betont Tarragona, möchten die Journalisten auch auf die Expertise ihrer Leser eingehen oder diese aufnehmen.

 

Ein weiterer Unterschied zum Print-Bereich: Digitale Angebote bedeuten immer auch technische Probleme auf der eigenen Seite und auf Seite der Kunden. Zur Lösung dieser Probleme braucht es Expertise und Personal. Und das nicht zu knapp, denn neben Zeit Online existieren aus dem Hause Zeit auch ze.tt.de, Zeit Magazin und Zeit Campus. Am Ende gibt es so zumindest eine Gemeinsamkeit von Print und Online-Produkten bei der Zeit: Sie kosten gleichviel.

 

Neben diesen Besonderheiten ist für Tarragona aber vor allem folgendes kennzeichnend für die online Branche: Es ist nichts vorhersehbar oder wie William Gibson es so schön formulierte: The future is not googleable. Und das mache seinen Job jeden Tag auf’s Neue extrem spannend.

 

Wir danken Herrn Tarragona für das tolle Gastgespräch, die interessanten Einblicke und dass er sich trotz Bombenwetters, die Zeit für uns genommen hat!