Über die Generation Y, zu der wir Medienmanagement-Studenten zum größten Teil auch gehören, wird vielfältig diskutiert. Dabei geht es auch um die Eigenschaften, die uns zugeschrieben werden können. Wir gelten als selbstbewusst, individualistisch, pragmatisch und krisenerprobt. Stellen Familie und Freunde vor den Erfolg im Beruf und legen extremen Wert auf die Work-Life-Balance. Außerdem kennen wir als erste Generation der Digital Natives zwar noch die Bedeutung von Bleistift und Kassette, sind aber mit den Möglichkeiten des Internets und der Digitalisierung aufgewachsen.

 

Man könnte Bücher füllen, würde man die Eigenschaften zusammenfassen, die uns von Sozialforschern zugeschrieben werden. Einige davon würde ich mit Blick auf mich und mein Umfeld vermutlich verneinen, andere würden hemmungsloses Kopfnicken auslösen. Hierbei ist natürlich zu bezweifeln, dass mein kleiner Mikrokosmos stellvertretend für meine ganze Generation stehen kann und trotzdem sticht mir eine Eigenschaft, die der Generation Y zugeschrieben wird, ständig ins Auge. In den Gesprächen, die ich geführt habe und führe mit Freunden und Bekannten, während des Abiturs, nach dem Abitur, vor dem Bachelor, nach dem Bachelor, vor dem Master und jetzt, da zeigt sich eins ganz deutlich: Die völlige Überforderung angesichts der vielfältigen beruflichen Möglichkeiten, die sich uns nach dem Abitur bieten.

 

Einerseits individualisiert sich die Berufswahl, denn der Tischler-Sohn wird nicht mehr automatisch Tischler. Andererseits differenziert sich die Arbeitsumgebung extrem aus. Mein Opa kann heute vermutlich bei drei Viertel der Berufe nicht mehr sagen, was diese Personen ihren lieben langen Tag eigentlich genau machen. Das ist wundervolle Freiheit und gleichzeitig schreckliche Überforderung, denn wir müssen uns fragen: Was kann ich? Was will ich? Was gibt es? Außerdem (denn es geht uns nicht mehr nur um rein materialistische Werte, wie Einkommen und Sicherheit) fragen wir uns: Was würde mich glücklich machen? Was würde mich erfüllen? Wann wäre meine Arbeit nicht mehr Arbeit im engeren Sinne, sondern ein Hobby, etwas, das ich mit Freude tue?

 

Das sind Fragen, die auch ich mir nach dem Abitur gestellt habe und wie viele andere habe ich mir diese Frage nicht beantwortet mit „Ich werde meinen Bachelor in [Stadt einfügen] an der [Universität einfügen] im Fach [Studiengang einfügen] machen. Dann ziehe ich nach [Stadt einfügen] und mache meinen Master im Fach [Studiengang einfügen] an der [Universität einfügen]. Dann gehe ich mit meinem Traumpartner mit [Farbe einfügen] Haar, [Farbe einfügen] Augen und [Körperbau einfügen] Körperbau, der seinen Master an der [Universität einfügen] im Fach [Studiengang einfügen] gemacht hat und nun in der [Abteilung einfügen] bei [Unternehmen einfügen] als [Position einfügen] arbeitet und dicke Knete macht. Ich arbeite dann aufgrund meiner tadellosen Noten und enormen praktischen Erfahrungen als [Position einfügen] in der [Abteilung einfügen] bei [Unternehmen einfügen] und verdiene natürlich auch die dicke Knete.“ Nein, bei mir war die Antwort nicht annähernd ausführlich, außerdem war sie gespickt mit Phrasen wie „vielleicht“ „oder vielleicht“, „eventuell“, „stell ich mir ganz nett vor“ und vor allem mit einer Menge Konjunktiven.

Auch im Medienbereich bieten sich unzählige Berufsmöglichkeiten.

Im Medienbereich bieten sich unzählige Berufsmöglichkeiten.

 

Irgendwo habe ich dann gelesen, dass man bei der Wahl des Berufes vor allem darauf achten sollte, welche Interessen man hat. Studiere das, was du gerne tust! Das war und ist bei mir die Schreiberei. Schreiberei führt immer in Richtung Medien. Also habe ich Kommunikations- und Medienwissenschaften gewählt, garniert mit Soziologie (interessierte mich) und Politik (kann nicht schaden). Und nun zur perfekten Abrundung Medienmanagement im Master. Ironischerweise, obwohl ich mir ja schon eine passende Spezifizierung ausgesucht hatte, ist das Blöde an der Schreiberei: Es gibt so viele Arten! Werde ich Buchautorin, Journalistin oder Bloggerin? Mache ich Public Relations, Marketing, usw.? Schreibe ich für Zeitungen, Fachzeitschriften, Online-Medien usw.? Worüber schreibe ich überhaupt?

 

Schön an der Hamburg Media School ist, dass man so viele praxisnahen Einblicke in die Medienbranche gewinnt. So habe ich in einem Vortrag am Media Innovation Day erfahren, dass die Gaming-Branche boomt und bin seither gefesselt von dem Gedanken, Storylines für Games zu schreiben.

 

Ein neues „Heavy Rain“ schreiben oder ein neues „Until Dawn“ mit verschiedenen möglichen Enden… Oder ich könnte Game-Rezensionen verfassen oder vielleicht auch Filme rezensieren, die schaue ich auch unheimlich gerne… Interessant wäre auch, dass ich in der Marketing- und/oder Public Relations-Abteilung einer Gameproduktion arbeite… Vielleicht wäre es irgendwann sogar möglich, eine eigene Gaming-Produktion zu starten, stell ich mir ganz nett vor… Eventuell sollte ich mich aber doch auf das besinnen, bei dem ich schon gute Arbeitserfahrungen gemacht habe. Der Public Relations und Marketing-Bereich generell sagt mir sehr zu…

 

Ich scheine in alte Phrasen-Muster zurückzufallen, aber das ist nicht so schlimm. Das Finden eines Berufes ist schließlich genauso, wie die Storyline eines guten Games. Erstmal braucht man Zeit, um die Geschichte einzuleiten, dann werden viele Fragen aufgeworfen, dann kommt der Höhepunkt und man bildet sich ein, man wisse, wie die Geschichte zu Ende geht. Und dann kurz vor Ende kommt der Plot Twist und alles ist anders. Man darf also durchaus gespannt sein