Am 17. September stellte Michael Haller, HMS-Gesamtleiter Forschung, im Berliner KulturKaufhaus Dussmann das Buch „Was wollt ihr eigentlich? – Die schöne neue Welt der Generation Y“ vor. Darin präsentieren Haller und das Forscher-Team der HMS die Ergebnisse der ersten großangelegten Studie über die Lebens- und Arbeitswelt der Ypsiloner.

Hier spricht er über Forschungsergebnisse und nennt Konsequenzen, auf die sich Arbeitgeber einstellen müssen.

 

Die Buchvorstellung im KulturKaufhaus Dussmann: Michael Haller im Gespräch mit Peter Felixberger.

Die Buchvorstellung im KulturKaufhaus Dussmann: Michael Haller im Gespräch mit Peter Felixberger.

 

HMS-Blog: Wie lauten die Kernthesen des Buchs?

MH:  Zum Beispiel so: Die Generation Y (GY) verkörpert andere Werte als die ältere Generation. Die Älteren sind materialistischer, egozentrischer und selbstverliebter. In der Generation Y spielt dem gegenüber die Community eine große Rolle; sie vermittelt Selbstwert und emotionale Sicherheit. Unsere Erhebungen suchten eine Antwort darauf, ob dieser Wandel nur altersbedingt, also vorübergehend ist – oder ob er nachhaltig sein wird. Unserer Befunde zeigen, dass dieser Wertewandel Bestand haben wird.

 

HMS-Blog: Welche Konsequenzen ergeben sich aus der starken Bindung der GY ans Internet?

MH: Es gibt zwei Seiten der Medaille. Auf der einen Seite stehen die Segnungen der Digitalisierung. In der Arbeitswelt kann man Arbeitsabläufe flexibler und transparenter gestalten. Dadurch verändert sich der gesamte Workflow. Auch Transparenz wird eine wichtige Qualität, um junge Mitarbeiter zu gewinnen. Zur Kehrseite der Medaille gehört dies: Die Digital Natives nehmen ihre Netzwerke und die darin eingeübte Harmonie für ihr Wohlbefinden zu wichtig. Beispielsweise kann ein negatives Feedback oder ein verbaler Konflikt eine Selbstwertkrise auslösen.

 

HMS-Blog: Im letzten Teil des Buchs beschäftigen Sie sich intensiv mit dem Thema „Arbeitswelt“. Was sollten Arbeitgeber zukünftig verändern?

MH:  Die etablierte Gesellschaft neigt ja dazu, alles, was anders ist, für befremdlich zu erklären. Beim Thema Arbeitswelt reagieren viele Ältere auf das andere Verhalten der Jungen mit Vorurteilen. Zum Beispiel finden viele junge Leute der Generation Y, dass Geldverdienen nicht das wichtigste im Leben ist. Und schon basteln selbst seriöse Medien das Vorurteil, die Ypsiloner seien bequem und faul. Das ist natürlich Unsinn.

 

HMS-Blog: Inwiefern?

MH: Den Ypsilonern ist das Sinnhafte der Arbeit besonders wichtig. Sie möchten neben der materiellen Entschädigung auch eine mentale Gratifikation. Zudem liegt ihnen das Verhältnis zwischen Arbeit, Familie und Freizeit am Herzen. Hier ist noch vieles im Argen. Gerade gut qualifizierte junge Leute wechseln den Arbeitgeber, weil sie eine lebensgerechtere Balance suchen. Wenn die Arbeitgeber dies verstanden haben, bieten sich genügend Ansätze, die Arbeit entsprechend zu organisieren.

 

HMS-Blog: Können Sie ein paar konkrete Beispiele nennen?

MH: Denken wir an die jüngeren Frauen, die eine Familie gründen wollen. Viele haben uns gesagt,  dass sie notgedrungen aus der Arbeitswelt aussteigen werden. Ihnen müsste man entgegenkommen. Neben der Flexibilisierung der Arbeitsprozesse geht es auch darum, dass die Frauen, wenn sie zurückkehren ins Unternehmen, in derselben Position weiter beschäftigt werden wie vor der Mutterschaft. Oder denken wir an das Thema Hierarchien. Unter den Digitals ist die Teamorientierung viel ausgeprägter als früher. Sie wollen flache Hierarchien, die nichts weiter als die Zuständigkeiten abbilden. Oder das Thema Anerkennung: Hier müssen viele Unternehmen lernen, dass sie nicht Arbeitszeit mieten, sondern Leistung bezahlen. Viele junge Mitarbeiter verstehen ihre Jobs wie Projekte, die sie ins Ziel bringen sollen. Da wollen sie für ihre persönliche Leistung auch Anerkennung bekommen. Das klassische ‚Command and Control‘ ist von vorgestern.