“Ich will mal zum Fernsehen” höre ich oft. Bei Fernsehen denken wir häufig an gut aussehende Schauspieler, aufwendige Produktionen an wunderschönen Drehorten und glamouröse Auftritte auf dem roten Teppich. Falsch gedacht. Fernsehen ist harte Arbeit, an der unzählige Beteiligte mitwirken und meist unter hohem Zeitdruck Höchstleistung bringen müssen. Bei unserem Besuch bei Studio Hamburg, im Rahmen des Seminars Medientechnik, haben wir einige Stationen der Film- und Fernsehproduktion kennengelernt. Es wurde deutlich, dass das was wir im Kino oder im Fernsehen sehen, das Produkt eines sehr langen und aufwendigen Arbeitsprozesses ist.

Studio Hamburg

Studio Hamburg

Das Studio Hamburg wurde 1947 gegründet und umfasst auf 80.000m² rund 6.500m² Studiofläche. Dabei handelt es sich nicht um ein großes Unternehmen, sondern um viele eigenständige GmbHs, die alle auf dem Gelände angesiedelt sind und miteinander kooperieren.

MM16er im Studio

MM16er im Studio

Kurz vor der Berlinale ist in den Studios viel los, alle sind im Stress und der Ton ist rau. Trotz des Trubels nehmen sich Matthias Plischke und Andre Mundt, Tonmeister und Sounddesigner in der Postproduction, viel Zeit für uns. “Macht ma schick!” ist oft die Ansage der Regisseure, woraufhin die beiden schon mal vierzehn Tage mit Mischung und Vertonung eines 90-minütigen Fernsehfilms beschäftigt sind. Schmutz, Knacken und Rauschen raus, Dialoge verständlich machen, Emotionen Rechnung tragen und auch mal hundert Tonspuren gleichzeitig im Griff haben – kein Job für Anfänger!

Tonmeister Matthias Plischke in der Postproduction

Tonmeister Matthias Plischke in der Postproduction

Nächster Stopp ist die Synchro, wo uns Produktionsleiter Götz Grube erklärt, dass hier gesprochen wird, was auf den Tisch kommt. Rund zwei bis fünf Tage dauert es, alle Takes eines 90-minütigen Films zu synchronisieren. Aufwendigere Produktionen wie die Netflix Serie “Marco Polo”, die ebenfalls im Studio Hamburg synchronisiert wird, nehmen um einiges mehr Zeit in Anspruch. Ins Deutsche übersetzt werden die Filme häufig von ehemaligen Synchronsprechern, da sie besonders gut einschätzen können, welche Übersetzung für Dialoge verschiedener Genres am besten passt.

So mancher fand seine wahre Profession

So mancher fand seine wahre Profession

Mit teils schon verstaubten Filmen hat Christian Schöppl, Leiter der Film- und Videobearbeitung, zu tun. Sein Team ist darauf spezialisiert, Filmbänder zu reinigen, Schrammen zu entfernen und sie anschließend zu digitalisieren. Zum größten Teil können die Filme in Echtzeit gescannt werden, ein neuer Auflösungsstandard bedeutet hier neue Arbeit. Erst kürzlich hat das Team Filmausschnitte für eine Steven Spielberg-Doku digitalisiert.

Nach der Digitalisierung wird der Film von Coloristen nachbearbeitet. Senior Colorist Jürgen Hensel benötigt für das Color Grading, sprich die Farbkorrektur, abhängig von der Anzahl der Takes, ca. sechs Tage für einen 90-Minüter. Dafür sitzt er täglich bis zu zehn Stunden in einem abgedunkelten Raum und dreht an den Knöpfen. Zur Unterstreichung des Inhalts und der Emotionen, die der Film erzeugen soll, kann er zwischen unterschiedlichsten Farbgebungen wählen. Das Spektrum reicht vom flauschigen Vorabendprogramm bis zum harten Tatort-Look. Dabei zählt nicht nur sein eigener Geschmack, sondern auch die oft auseinandergehenden Meinungen anderer Verantwortlicher, wie die des Regisseurs und des Kameramanns.

Senior Colorist Jürgen Hensel bei der Arbeit

Senior Colorist Jürgen Hensel bei der Arbeit

Unser Tag im Studio Hamburg war interessant und sehr aufschlussreich – Das fertige Produkt auf der Leinwand geht durch zahlreiche Hände, deren Arbeit meist weit von der glamourösen Vorstellung entfernt ist, die wir im Kopf haben. Du willst zum Fernsehen? Überlegs dir gut!