Genau das haben wir uns gefragt, als wir unser erstes richtiges Praxisprojekt bekamen. Wie sich herausstellte, war die Definition selbst nach mehreren Wochen Recherche noch immer eine Herausforderung. Jeder verstand ein wenig etwas anderes darunter. Da wir aber alle der Meinung waren, eine Definition für dieses Projekt liefern zu müssen, haben wir uns Gedanken dazu gemacht.

Folgendes Ergebnis:

“Distributed Content meint das ausschließliche Publizieren von digitalen Inhalten auf Distributionskanälen abseits der eigenen Homepage. Diese Entwicklung fordert sowohl eine Anpassung des Geschäftsmodells als auch der Monetarisierung.”

 

Klingt etwas wissenschaftlich, ist bereits die deutlich gekürzte Version und war Grundlage zahlreicher, stundenlanger Diskussionen. Irgendwie kamen wir einfach immer wieder auf diese lächerlichen zwei Sätze zurück und begannen von vorne, darüber zu diskutieren. Was aber bedeutet jetzt diese Definition, auf die wir uns schließlich einigen konnten?

 

Genau genommen ist Distributed Content kein völlig neues Phänomen. Nicht wirklich zumindest, auch wenn man sich erst seit kurzem Gedanken dazu macht. Videos auf Youtube beispielsweise sind Distributed Content, wenn vom Video nicht zurück auf die Webseite verlinkt wird. Wenn man davon spricht, meinen die meisten Personen jedoch Facebook Instant Articels, Google AMP und Snapchat Discover. Diese Angebote sind vergleichsweise neu und eine Reaktion von großen Plattformen auf die veränderten Nutzerbedürfnisse. Denn, wie wir alle wissen: Wir sind heutzutage in erster Linie mobil unterwegs und greifen vom Smartphone auf Content zu. Dem passen sich Facebook, Google und Snapchat mit ihrem neuen Angebot an. Und die Bedeutung von sozialen Netzwerken nimmt natürlich ebenfalls zu.

Das Ergebnis dieser beiden Trends ist Distributed Content. Anstatt zum Beispiel auf Facebook einen Link zu posten, der zurück auf die Homepage führt, wird der Content bei Distributed Content direkt auf Facebook publiziert. Keine Notwendigkeit mehr für den Nutzer, die Homepage des Publishers zu besuchen.

 

Gut für die Nutzer, denn womit alle Angebote werben, ist die Geschwindigkeit. Drauf geklickt und der Inhalt ist da. Studien zeigen, dass Nutzer bereits wegklicken, wenn eine Seite länger als drei Sekunden lädt! Am Anfang konnte ich diese Zahl nicht recht glauben, doch seit ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt habe, achte ich auf mein eigenes Nutzungsverhalten. Und es stimmt. Vielleicht nicht ganz so extrem, ich warte schon noch länger als drei Sekunden. Aber die Geduld nimmt auf jeden Fall ab.

 

Schlecht für die Medienhäuser, denn wenn die Leser nicht mehr auf die Homepage kommen, verliert diese an Wert. Und ohne Leser lässt sich eine Homepage auch nicht länger monetarisieren. Das Geld muss von woanders kommen – und das tut es. Die Monetarisierung verlagert sich von der Homepage zu den Kanälen selbst. Anstatt also einen Link auf Facebook zu posten, um den Leser zur Homepage zu lenken und dort zu monetarisieren, wird der Content direkt auf der Plattform gepostet und dort auch monetarisiert. Wie gut jedoch funktioniert diese Monetarisierung? Gleicht sie die Verluste der Homepage wieder aus? Und was passiert mit dem Content selbst, wenn er nicht mehr auf der eigenen Seite, sondern auf Facebook liegt? Wem gehören die Inhalte? Was müssen das überhaupt für Inhalte sein? Welche Ressourcen braucht man, um diese zu produzieren? Hat Text eigentlich eine Zukunft? Welche Kanäle sind relevant? Welche Trends zeichnen sich ab? Und so weiter, und so weiter.

 

Fragen über Fragen. Fest steht: Distributed Content verändert die Geschäftsmodelle von Medienhäusern. Und das in vielerlei Hinsicht.

 

Natürlich war es nicht nur Teil unseres Projektes, über Sein und Nicht-Sein von Distributed Content zu diskutieren. Wir wollten Empfehlungen geben: eine Anleitung, wie Medienhäuser unserer Meinung nach mit Distributed Content umgehen sollten. All dieses Wissen an dieser Stelle auszubreiten, würde zu weit führen. Ein Fazit will ich jedoch ziehen, nämlich eine Antwort auf die Frage: Distributed Content machen, ja oder nein? Diese Frage wurde uns verständlicherweise gestellt und ich kann glaube ich auch für den Rest des Teams sprechen, wenn ich sage:

 

Ja!

 

Distributed Content ist eine Veränderung und ich verstehe, dass Veränderungen Angst machen und Medienhäuser daher zögern, tatsächlich ihr Geschäftsmodell anzupassen. Aber Distributed Content ist nicht nur ein Risiko – es ist auch eine Chance. Und das Thema zu ignorieren wäre ein Fehler.

Daher mein Fazit: Nehmt Distributed Content ernst. Beschäftigt euch damit. Und betrachtet es auch als Möglichkeit.