In einer Zeit, in der neue Medien stetig wachsende Nutzerzahlen und Nutzungszeiten verzeichnen, haben es die klassischen Medien schwer. Das gilt für die Presse, wie für das Fernsehen und nicht zuletzt auch für den Hörfunk. Ein Thema, das wir im Gastgespräch der Hamburg Media School ausführlich mit Claudia Spiewak, der Chefredakteurin des NDR Hörfunks und Programmchefin von NDR Info, diskutieren konnten.

 

Frau Spiewak verantwortet seit neun Jahren das Programm von NDR Info, vertritt gleichzeitig den NDR Hörfunk in der ARD und ist zuständig für die NDR-Korrespondenten im Ausland. Dazu gehören unter anderem Kolleginnen und Kollegen an den Standorten in Tokio, Singapur und Delhi sowie New York, Washington, London und Stockholm. Nach ihrem Studium der Germanistik, Soziologie und Pädagogik volontierte die gebürtige Hamburgerin bei den Harburger Anzeigen und Nachrichten und beim NDR. Neben Stationen als Rathausreporterin und der Leitung des Hamburger Stadtsenders führte ihr Karriereweg sie außerdem als ARD-Hörfunkkorrespondentin für drei Jahre nach Stockholm. Eine beruflich sehr spannende Zeit, die Frau Spiewak aufgrund des riesigen Themenfeldes, des Bereisens nordischer Länder und dem Umgang mit vielen verschiedenen Menschen als die Erfüllung fast aller ihrer journalistischen Träume bezeichnet.

Claudia Spiewak vom NDR Info war zu Gast an der Hamburg Media School.

Claudia Spiewak vom NDR Info war zu Gast an der Hamburg Media School.

Ihre derzeitigen Herausforderungen sind genauso spannend, wenn auch auf einem ganz anderen Terrain, und zeichnen sich durch Vielfalt, durch Organisation eines breiten Hörfunk-Programms und vielen Kollegen, insbesondere aber durch ein sehr strategisches und vernetztes Arbeiten aus. Für Frau Spiewak sind das Grundbedingungen für die Arbeit in der heutigen Medienwelt, die durch steten Wandel geprägt ist.

 

Ein Wandel, der die Frage nach der Konkurrenzfähigkeit zum Internet und Angeboten wie Spotify aufwirft und der die Anpassung des Angebotes an die immer zeitautonomere Nachfrage des Hörers verlangt. Veränderungen bringen aber nicht nur Risiken, sondern immer auch Möglichkeiten mit sich. Diese sieht Frau Spiewak sowohl in Form von Mediatheken als insbesondere auch in Form von Podcasts. Das serielle Erzählen erreiche neue Publikumsgruppen und stärke das Radio. Ein wichtiger Aspekt, wenn es darum geht, die Marke des NDR und den Qualitätsjournalismus zu stärken.

 

Eine Herausforderung des gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist die richtige Ansprache junger Nutzerinnen und Nutzer, deren Internetnutzung das aller anderen Altersgruppen bei Weitem übertrifft. Der Spagat zwischen den Interessen der derzeitigen Hörer aus den älteren Bevölkerungsschichten und dem Erzeugen von neuen Angeboten für die jüngeren Bevölkerungsschichten, ist ein schwieriges aber ebenso wichtiges Aufgabenfeld, das nicht zuletzt auch die Legitimation der Gebührenfinanzierung beeinflusst. Eine Finanzierung, die die Versorgung der Bevölkerung mit qualitativ hochwertigen Nachrichten und eine qualitativ hochwertige Ausbildung von Journalisten garantiert.

 

Neben diesen Herausforderungen wird sich der Hörfunk in Zukunft auch mit den Folgen des autonomen Autofahrens beschäftigen müssen. Die Nutzung des Radios beim Autofahren macht derzeit rund 50 Prozent der Gesamtnutzung aus. Was passiert, wenn Kopf und Hände frei für andere Tätigkeiten sind?

 

Das sind Fragen und Herausforderungen, denen sich Frau Spiewak in Zukunft widmen wird. Sie ist sich aber sicher, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine Flexibilität und seine Reaktionsgeschwindigkeit erhöhen kann. Wichtig außerdem, sei die Schärfung des eigenen Unternehmensprofils. Im Informationsbereich erzeuge der NDR qualitativ sehr hochwertigen journalistischen Output. Bemerkenswert sei eine Demokratisierung der Arbeitsprozesse, bei der sowohl jüngere Mitarbeiter von älteren, aber auch ältere Mitarbeiter von jüngeren Mitarbeitern lernen können. Werden all diese Punkte behandelt und umgesetzt, ist sich Frau Spiewak sicher, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk, insbesondere aber auch der Hörfunk seinen Platz in der digitalisierten Zukunft finden wird.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Frau Spiewak für die äußerst interessante Diskussion und den professionellen Blickwinkel, den sie uns in Bezug auf die aktuellen Themen und Probleme der Branche eröffnet hat.