Rund 800 Ökonomen haben sich diese Woche in Augsburg getroffen – und Marcel und ich waren auch dabei. Der Verein für Socialpolitik, dessen Name auf den ersten Blick vielleicht etwas verwirrend sein mag, da er der Hauptverbund der deutschen Volkswirte ist, hat zu seiner diesjährigen Jahrestagung zum Thema „Demographie im Wandel“ geladen. Ich muss schon sagen, dass ich schon ein wenig aufgeregt war. Schließlich trifft man nicht alle Tage so viele Fachexperten an einem Ort und präsentiert diesen dann auch noch die eigene Forschungsarbeit. Aber der Reihe nach…

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Bereit für die Konferenz

Die offizielle Begrüßung hat am Montagfrüh stattgefunden und unterscheidet sich nicht signifikant von anderen Tagungs- oder Veranstaltungseröffnungen. Für mein erstes Highlight hat im Anschluss Oded Galor von der Brown University gesorgt. Seine Keynote „On the Origins of Comparative Economic Development“ hat einen spannenden Einblick zur Frage gegeben, warum das Einkommen pro Kopf sich weltweit so stark unterscheidet und worauf diese Unterschiede möglicherweise zurückzuführen sind.

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Eröffnung der Jahrestagung

Nach dieser „Pflichtveranstaltung“, folgte jedoch die Qual der Wahl. Über 400 Referenten wollen in Sessions untergebracht werden, eine organisatorische Meisterleistung. Kein Wunder also, dass um die 20 Talks gleichzeitig stattfanden. Wir haben uns für eine Veranstaltung rund um die Hartz-Reformen entschieden. So konnte ich schon mal einen ersten Einblick vom Ablauf der Konferenz und den Vortragenden bekommen. Danach hieß es denn, schnell zurück ins Hotel und frisch machen – der Bürgermeister wartet. Im Goldenen Saal der Stadt Augsburg hat uns Bürgermeister Kurt Gribl begrüßt. Ein schöner Abschluss des ersten richtigen Konferenztages.

Der zweite Tag konnte ebenfalls mit einer spannenden Keynote aufwarten. David E. Bloom von der Harvard School of Public Health sprach zu dem Thema „Population Dynamics and its Economic Implications“. Er hat gezeigt, dass locker und unterhaltsam auf der einen Seite und sachlich und informativ auf der anderen Seite sich nicht ausschließen. Da kann man sich definitiv etwas für den eigenen Vortrag abschauen. Allerdings war dieser erst auf den späten Nachmittag terminiert, sodass es noch etwas Zeit gab. Nach einer Stärkung beim Frauen-Lunch, bei dem ich andere weibliche, und überwiegend ebenfalls junge Doktorandinnen und Post-Docs kennengelernt habe, ging es weiter mit einer Session zum Thema „Political Processes“.

Um ehrlich zu sein, sind hier die Gedanken aber doch ab und zu bereits zum eigenen Vortrag abgeschweift. Trotz Augsburger Sonne, hat eine Zahl von Zuhörern den Weg zu der Session gefunden. Und wie es ja meistens so ist, hat dann alles trotz vorheriger Bedenken gut geklappt. Inhaltlich drehte es sich um eine aktuelle Forschungsarbeit von Marcel und mir, die sich mit Medieneffekten auf die Rücktrittswahrscheinlichkeit von Politikern, deren Immunität aufgehoben wurde, beschäftigt. Nach getaner Arbeit hat das Abendessen in einem kleinen Biergarten umso besser geschmeckt.

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Der Biergarten lädt zum Entspannen nach der Arbeit ein.

Der letzte Tag hat mir dann noch einmal neue Einsichten in das „coolste und en vogueste Thema von Berlin Mitte“ verschafft: Nudges (Anstupser) und deren Implementierung in die Politik. Um ehrlich zu sein bezweifle ich zwar die Aussage der Panel-Teilnehmer zum Hippness-Faktor des Themas, aber spannend war es allemal. Im Prinzip geht es um ein verhaltensökonomisches Instrument, bei dem die Menschen mit kleinen „Stupsern“ in eine bestimmte Richtung gelenkt werden, ohne dass jedoch strikte Verbote erlassen werden. Ein Beispiel: Die Currywurst wird in der Mensa weiter hinten und unauffälliger platziert, der Salat hingegen vorne und gut sichtbar. Der Kunde kann weiterhin beides kaufen, entscheidet sich aber nun vermehrt für den Salat – zumindest lautet so die Theorie.

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Das Panel zum In-Thema “Nudges”

Mit vielen neuen Eindrücken, neuem Wissen und neuen Kontakten ging es dann zurück nach Hamburg. Das Abenteuer Ökonomen-Fachtagung hat sich gelohnt!